Innerdeutscher Abtreibungstourismus

Weil sich der einzige Gynäkologe im nordrheinwestfälischen Hamm, der Schwangeschaftsabbrüche nicht nur aus medizinischer Indikation durchführt, zur Ruhe setzt, müssen Frauen jetzt an auswärtige medizinische Einrichtungen verwiesen werden, zum Beispiel in Dortmund oder Münster. Diese Nachricht hat den Soester Anzeiger motiviert, mal im eigenen Städtchen zu recherchieren, wo es nicht besser aussieht.

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Salzburg: Festnahmen bei Protesten

Letzten Samstag gab es in Salzburg eine pro choice-Demonstration gegen den dortigen alljährlichen 1000 Kreuze-Marsch. Beim auf-der-Straße-sitzen wurden 14 Pro-Choice-Aktivist_innen festgenommen wegen angeblicher Verhetzung und Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung. Die Salzburger Aktivit*innen analysieren: “Unter dem Vorwand, es handle sich um Verhetzung, wird versucht, die seit Jahrzehnten verwendete Parole „Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“ zu kriminalisieren.”

Hier ein ausführlicher Bericht vom Infoladen Salzburg und einer mit Fotos aus der bürgerlichen Presse.

El Salvador: Kriminalisierung nach Fehlgeburten

In El Salvador gilt ein absolutes Abtreibungsverbot. Das ist schon schlimm genug. Darüber hinaus werden aber auch Frauen nach Fehlgeburten kriminalisiert und wegen ‘Mordes’ verurteilt. Zur Zeit sitzen 17 Frauen jahrzehntelange Haftstrafen ab.

Die taz schreibt zu den Hintergründen:

Bis 1998 waren in El Salvador Abtreibungen aufgrund von drei Indikationen möglich: nach einer Vergewaltigung, wenn das Leben der Mutter gefährdet oder der Fötus so geschädigt war, dass er keinerlei Überlebenschancen hatte. Die damalige rechte Regierungspartei Arena fand das „inhuman, unmoralisch und gegen die religiösen Prinzipien der Mehrheit der Salvadorianer“ und brachte eine Verschärfung ein. Ein Jahr später schaffte es die katholische Kirche mit Massendemonstrationen, das absolute Abtreibungsverbot in der Verfassung zu verankern. Auch Parlamentarier der ehemaligen Guerilla FMLN stimmten für die Verfassungsreform; unter anderem Violeta Menjívar, Gesundheitsministerin der heutigen Linksregierung.

In der Jungle World gibt es ein sehr lesenswertes Interview mit der Feministin und Aktivistin Sara García:

Ausgehend von dem absoluten Abtreibungsverbot hat sich eine repressive Praxis entwickelt, in der die öffentlichen Krankenhäuser eine maßgebliche Rolle spielen. In privaten Kliniken, die natürlich Frauen mit einem gewissen Einkommens- und Bildungsstatus vorbehalten sind, scheinen diese Fälle anders geregelt zu werden. Es existiert dort nicht wie in öffentlichen Kliniken die inquisitorische Logik, nach der eine Frau, die nach einer Fehlgeburt ins Krankenhaus kommt, grundsätzlich der Abtreibung bezichtigt und dementsprechend verhört wird: Was haben Sie getan? Haben Sie abgetrieben? Wo ist das Baby? In allen Fällen, die wir untersucht haben, spielen eine Menge Mythen und antiquierte Frauenbilder eine Rolle. So wird immer wieder unterstellt, dass die Frau ihr Kind hätte retten können, auch wenn sie selbst über keinerlei Erste-Hilfe- oder medizinische Ausbildung verfügt; sogar, wenn sie selbst ohnmächtig wurde oder zu verbluten drohte. Die Polizei wird gerufen, auch wenn es medizinisch gar keine Hinweise auf einen vorsätzlich herbeigeführten Abbruch gibt. Es ist vielmehr das Profil der Frauen, das das Krankenhauspersonal sie als »verdächtig« einstufen lässt. Stets sind es sehr arme, oft junge Frauen ohne einen festen Lebens-partner. Es wird vorausgesetzt, dass diese im Fall einer Schwangerschaft abtreiben wollten.