Redebeiträge 2008

“Und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt“

Redebeitrag des Antifaschistischen Bündnis Südost, 20.09.08

Eine Frau geht nachts allein durch den Park, ein unbekannter Täter überfällt und vergewaltigt sie. So der Mythos. Dies trifft nur in seltenen Fällen zu. Sexuelle Gewalt beginnt nicht erst dann wenn eine Frau vaginal vergewaltigt wird. Sexuelle Übergriffe passieren jeden Tag und fast jede Frau hat bereits solche Erfahrungen gemacht. Doch die gesellschaftliche und vor allem rechtliche Bedeutung von sexueller Gewalt lässt keine Definition der eigenen Gefühle zu. Die Betroffenen sind oft allein und erfahren wenig Zuspruch seitens der Gesellschaft. In einigen Fällen wird den Betroffenen noch Verführungsabsicht unterstellt oder sie hätten nicht eindeutig nein gesagt. Doch nicht Täter entscheiden wie weit sie gehen können, sondern die Betroffene. In den meisten Fällen die Frau.

Das gerade Frauen häufiger von sexueller Gewalt betroffen sind als Männer ist hinlänglich bekannt und lässt sich durch die Sozialisation der Geschlechter ganz einfach erklären. Lernen Mädchen doch von Geburt an das „brave Kind“ zu sein, immer leise, freundlich und fügsam, werden Jungen zu dem genauen Gegenteil erzogen. Der Mann hat schließlich die Hosen an und das steht nicht nur so in der Bibel. Von klein an wird den Kindern eine imaginäre Überlegenheit erzogen, welche fatale Folgen für die spätere Entwicklung des Kindes und einer emanzipatorische Gesellschaft hat. Sexuelle Gewalt ist und bleibt eine Handlung, mit der ein Machtverhältnis demonstriert werden soll und die Täter sind dabei fast ausschließlich Männer.

Während sich in Politik und Gesellschaft bestehende Rollenverhältnisse zumindest tendenziell auflösen, hält Beispielsweise die Kirche weiter am Machtverhältnis der Männer fest. Papst Joseph Alois Ratzinger agiert mit Propaganda gegen Verhütungsmittel, die Bibel wird als Unterdrückungsmittel gegen Frauen genutzt und christliche Fundamentalist_innen gehen gegen Abtreibungen auf die Straße – um nur einige Beispiele völlig unzumutbarer Verhältnisse zu nennen.

Auch wenn sich durch die Frauenbewegungen schon vieles zum Besseren gewandt hat und das Thema der Unterdrückung von Frauen Einklang in viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens gefunden hat. Auch wenn in den letzten Jahren viel für den Opferschutz getan wurde. Besser ist noch lange nicht gut genug. Solange sich Machtverhältnisse und Unterdrückung nicht auflösen, wird sexuelle Gewalt weiter Bestandteil unseres Lebens sein. Die Kirche trägt durch ihre rückschrittlichen Werte einen Teil dazu bei, bestehende Machtverhältnisse und die damit verbundenen Folgen weiter aufrecht zu erhalten. Aber auch jede/r Einzelne ist dafür verantwortlich, bestehende Rollenverhältnisse kritisch zu betrachten und sich dagegen aufzulehnen. Es ist wichtig die Grenzen von Menschen zu respektieren und einzuhalten. Wenn wir Sexuelle Gewalt wahrnehmen, müssen wir den Mund aufmachen! Die Betroffenen dürfen nicht allein gelassen werden!!

Und auch heute ist es wichtig den Mund aufzumachen, denn niemand hat das Recht über den Körper eines anderen bestimmen zu können. Für uns ist es weder tragbar, noch tolerierbar diesen Menschen heute einen Raum für ihre frauenverachtende Propaganda zu geben.

  • Gegen christliche und allen anderen Unterdrückungsmechanismen.
  • Für eine emanzipatorische Gesellschaft.
  • Nein heißt Nein! Eure Körper gehören euch!

Antifaschistisches Bündnis Südost

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2 Antworten zu „Redebeiträge 2008“

  1. “Und bist du nicht willig so brauch ich Gewalt“ « mädchenblog sagt:

    [...] zu machen, ich dachte, es sei mal wieder ein Grundsatztext angebracht. Es handelt sich um einen Redebeitrag des Antifaschistischen Bündnis’ Südost vom 20.09.08. Ich will mich ihm nicht in jeder Formulierung anschließen, finde ihn aber prinzipiell richtig, [...]

  2. Wohin? « prekba – prekäres babylon sagt:

    [...] Raumerweiterungshalle: AK linker Feminismus präsentiert die Filmreihe Blaufrau „Other People’s Children“ R: Beth M. Botshon USA [...]

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