Analyse vom apabiz zum diesjährigen ‘Marsch für das Leben’

Der Marsch verlief dadurch nicht so reibungslos wie gewohnt, denn die Polizei musste immer wieder Menschen von der Straße räumen. Die Marschierenden wurden fast durchgehend von der Auftaktkundgebung am Bundeskanzleramt bis zum Berliner Lustgarten, wo der abschließende Gottesdienst stattfand, von feministischem Protest in Form von Parolen, Plakaten und Farbpulver begleitet. Zeitweilig vermischten sich Marsch und Protest zu einem unübersichtlichen Durcheinander inklusive Samba-Gruppe, was bei manchen ChristInnen ein ungläubiges Staunen auf den Gesichtern hinterließ…

Der BVL baute in dem sorgsam orchestrierten Marsch zunehmend die eigene Positionierung zu bioethischen Fragen unserer Zeit aus, was sich in den Reden als auch in der Optik des Marsches widerspiegelte: Mindestens zwei Drittel der aufwendigen und den Marsch dominierenden Schilder vom BVL behandeln inzwischen nicht mehr nur explizit Abtreibung, sondern beziehen sich auf Sterbehilfe oder die Selektion von als „behindert“ diagnostizierten Föten durch PID und PND….

mehr bei Berlin rechtsaußen

Und in der Jungle World ein Interview mit den Leuten vom apabiz und Autor*innen des sehr empfehlenswerten aktuellen Buches “Deutschland schafft sich ab”

Luxemburg 2/2014 zu politischer Religion ist erschienen

Vielleicht als Nachklapp zum “Marsch für das Leben” vom vergangenen Wochende ganz interessant, gerade weil ja auch immer wieder kritisiert wird, bei den Protesten gäbe es zuwenig, neine verkürzte oder falsche Religionskritik. Es gibt keinen expliziten Artikel zu Fundi-Christ*innen in ihrer Funktion als Abtreibungsgegner*innen, aber die Überschrift des Artikels von Christoph Lammers “Ziemlich falsche Freunde. Wie rechtsreligiöse Strömungen auch in Deutschland Fuß fassen” sieht schon mal ganz vielversprechend aus. Die Luxemburg gibt es seit diesem Jahr umsonst, wegen ‘Commons’, Teile der Artikel sind sowieso online zugänglich aber man kann sich die LuXemburg 02/14 auch zuschicken lassen.

Mehr vom Samstag

Das what the fuck Bündnis hat 2 Redebeiträge online gestellt: den der Trans*genialen F_antifa und von nofundi[m]ärsche. Und hier gibt es eine Presseschau

Außerdem hat sich das ZDF zu den Vorwürfen geäußert, Reporter hätten Teilnehmer des Marsches gewalttätig angegangen:

Am 20.09.2014 hat ein Team der „heute-show“ mit dem Protagonisten Lutz van der Horst auf der Demonstration „Marsch für das Leben“ in Berlin gedreht. Bei dem Versuch O-Töne von Beteiligten zu filmen, entwickelte sich ein Wortgefecht mit dem an der Aktion teilnehmenden Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe (CDU), der das Team der „heute-show“ auch körperlich bedrängte und die Interviews störte. Zwei Mitglieder des Teams versuchten, den Dreh abzuschirmen. Keineswegs wurde Herr Hüppe von den Mitarbeitern der „heute-show“ – wie in einzelnen Presseveröffentlichungen behauptet – „geschlagen“ oder anderweitig attackiert.

Die nächste heute show zu gucken lohnt sich wahrscheinlich ;-)

Zu den Protesten in dder Schweiz gibt es hier ein Interview.

PMs der Bündnisse

Laut Polizeiangaben 4.500 “Lebensschützer” auf dem “Marsch für das Leben” also genauso viele wie letztes Jahr, wir dagegen waren deutlich mehr als letztes Jahr!

what the fuck: “Unser Konzept den Aufmarsch der Fundamentalisten entschlossen und wirkungsvoll zu behindern ist aufgegangen. Wer autoritäre und antidemokratische Positionen durchsetzen möchte hat kein Recht auf eine ungestörte Versammlung. Wir bedauern, dass das völlig überforderte und unverhältnismäßige Verhalten der Polizei zu den zahlreichen Verletzungen geführt hat”, schätzte Sarah Bach, die Pressesprecherin des Bündnisses, den Tag ein.

Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung zieht positive Bilanz zu zweiter Kundgebung am Brandenburger Tor. Mehrere hundert Menschen protestierten friedlich in Berlin gegen christlichen Fundamentalismus. Bündnis ruft Politik zum Handeln auf.

Hier findet ihr die Erklärung der AG Savita Halappanawar, die dem Büro des Bundesverband Lebensrecht einen nächtlichen Besuch abgestattet hat: “In der Nacht vom 18. auf den 19.9. haben wir das Büro in der Fehrbelliner Straße 99 mit Parolen versehen und mit Hammer und Farbe angegriffen.”

Hier die Erklärung der Gruppe „Holi Powder statt Holy Shit“, die mit einem Flashmob die Demo der Abtreibungsgegner störte: “Nacheinander warfen kleine Gruppen an unterschiedlichen Stellen des Zuges Farbpulver, so genanntes „Holi Powder“,  in die Luft  und riefen dabei Parolen, die sich auf die Vielfalt ihrer eigenen Lebensentwürfe bezogen. Sie riefen beispielsweise „Ich bin schwul“, „Ich glaube nicht an Gott“, „Ich will keine Kinder“ oder „Ich habe abgetrieben“. Gleichzeitig wurden Schnipsel mit den Botschaften verstreut.

Dieser Protest richtete sich nicht nur gegen die Forderung, Abtreibung zu verbieten.  Die Lebensschutzbewegung muss als Teil eines christlichen Fundamentalismus gesehen werden, der mit seinem antifeministischen und reaktionären Weltbild für eine Gesellschaft kämpft, in der Menschen, die selbstbestimmt lieben und leben wollen, keinen Platz haben.”

letzte Infos für Samstag

Morgen ist es soweit, passt auf euch auf! Hier letzte Infos vom Bündnis:

Los geht es um 11.30 Uhr am U-Bhf. Kochstraße. Mit einer feministischen und antifaschistischen Demonstration werden wir gemeinsam Richtung Regierungsviertel ziehen, wo sich ab 13 Uhr die christlichen Fundis vor dem Bundeskanzleramt treffen. Im Anschluss an die Demonstration werden wir – wie in den letzten Jahren – unseren Protest an und in die Auftaktkundgebung der Fundis und ihren anschließenden Schweigemarsch tragen. In den letzten Jahren haben Aktivist_innen Kreuze umgestaltet, die gespenstige Ruhe durch Parolen und Trillerpfeifen durchbrochen, mit Luftschlangen und Konfetti die Athmopshäre aufgelockert und ihre Kritik auf T-Shirts und Schildern sichtbar gemacht. Versucht euch jedoch zunächst unauffällig zu kleiden und zu verhalten, wenn ihr euren Protest direkt in den Marsch tragen wollt. Wir sind gespannt auf unsere und eure Kreativität.

Ab 14 Uhr werden sich die Abtreibungsgegner_innen auf den Weg machen. Wir gehen davon aus, dass ihr Aufmarsch wie im letzten Jahr vom Bundeskanzleramt über die Scheidemannstraße vorbei am Bundestag und dem Brandenburger Tor über die Ebertstraße zum Potsdamer Platz führt. Von dort werden sie wohl über die Leipziger Straße und die Markgrafenstraße in Richtung Bebelplatz laufen. [...]

Neben der kreativen Teilnahme in dem Aufzug soll der Marsch in diesem Jahr auch blockiert werden. Mareike von der Vorbereitungsgruppe erzählte uns zu ihren Planungen: “Wir werden uns mit möglichst vielen Menschen auf die Straße setzen, stellen und legen, um den Marsch zum Stehen zu bringen. Auf eine körperliche Auseinandersetzung mit der Polizei werden wir uns dabei nicht einlassen. Wenn wir auf der Straße sind, wollen wir so lange wie möglich auf dieser bleiben und den Marsch dadurch stoppen. Damit sich möglichst viele Menschen an unserer Blockade beteiligen können, werden wir während der Demonstration einen Sammelpunkt bekannt geben, von dem aus wir gemeinsam auf die Straße gehen.” Haltet deshalb Augen und Ohren diesbezüglich offen.

Auf dem Platz des 18. März wird es außerdem wie in den letzten Jahren ab 13 Uhr eine Kundgebung des Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung geben, um an dieser zentralen Stelle des Aufmarsches Protest zu zeigen.

Ticker: aktionsticker.org oder @nofundis
Aktionskarte: whatthefuck.noblogs.org/?attachment_id=180
Ermittlungsausschuss: 030 / 692 22 22
mehr hier

Kleine Anfrage zu “Lebensschützern: Ergebnisse in der Presse

Um Licht ins Dunkel der verschiedenen dubiosen Organisationen zu bringen, die den diesjährigen Aufmarsch unterstützen, hatte die Linksfraktion kürzlich eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Darin wollten die demokratischen Sozialisten unter anderem in Erfahrung bringen, ob der Bundesregierung Erkenntnisse über Einschüchterungen oder Gewalttätigkeiten vorlägen, die sich gegen Ärzte richteten, die Schwangerschaftsabbrüche anböten. Die aus CDU/CSU und SPD bestehende Bundesregierung gibt sich jedoch ahnungslos. Informationen oder Anhaltspunkte lägen zu besagter Frage nicht vor, teilte das SPD-geführte Bundesfamilienministerium in der Ende vergangener Woche übermittelten Antwort auf die kleine Anfrage mit. Auch von einer Stigmatisierung von Frauen, die abgetrieben haben, will die Regierungskoalition nichts wissen. Über die Anmelder des diesjährigen Aufmarsches liegen angeblich keinerlei Erkenntnisse vor. Ebensowenig zu den Teilnehmern und Unterstützern des gleichgearteten Aufmarschs im vergangenen Jahr.

Auf die Frage der Linksfraktion, welche der Demonstrationsunterstützer aus Bundesmitteln gefördert würden, gibt die Bundesregierung zu, daß der Verein »Kooperative Arbeit Leben ehrfürchtig bewahren« (KA-LEB e. V.) »für die Bereitsstellung eines Arbeitsplatzes« im Zeitraum vom 1. Dezember 2011 bis 30. November dieses Jahres »eine Zuwendung« erhalten habe. Gefördert würde darüber hinaus die Junge Union als Jugendorganisation einer politischen Partei.

Bei den »Lebensschützern« stieß die parlamentarische Anfrage der Linksfraktion unterdessen erwartungsgemäß auf keinerlei Gegenliebe. In einer offensichtlich koordinierten Aktion protestierten sie in gleichlautenden E-Mails bei den Abgeordneten der Linksfraktion, die die Anfrage mitgezeichnet hatten.

via Junge Welt