Polin erhält Entschädigung wg. Nazi-Vergleich

Oktober 11, 2009

Frauen, die abgetrieben haben, dürfen nicht als „Mörderinnen“ bezeichnet werden, dies berichtete die taz. Die Katholische Kirche der Erzdiözese in Kattowitz unterlag damit vor Gericht. Geklagt hatte Alicja Tysiac, die bei der Geburt ihres dritten Kindes fast völlig erblindete, weil ihr eine Abtreibung aus gesundheitlichen Gründen verweigert wurde. Die Richterin befand das Diözesanblatt „Der Sonntagsgast“ für schuldig, sich der „Hasssprache“ bedient zu haben. Der Chefredakteur sowie die Diözese Kattowitz als Herausgeber müssen den von der Klägerin formulierten Entschuldigungstext veröffentlichen und sich vom Vergleich Tysiac mit den KZ-Mördern von Auschwitz distanzieren. Zudem muss die Diözese der Klägerin ein Schmerzensgeld in Höhe von umgerechnet 7.500 Euro zahlen. Zwar dürften Katholiken Abtreibung als „Mord“ bezeichnen, Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen abtreiben, jedoch nicht als „Mörderinnen“ beschimpfen. (Zur rechtlichen Situation in Polen: hier) Zusätzlich verklagte Tysiac den polnischen Staat vor dem Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg. Dieser verurteilte Polens Regierung zu einer hohen Entschädigung und forderte sie auf, den polnischen Frauen die Möglichkeit zu geben, das Recht auf Schutz von Leben und Gesundheit auch in Anspruch zu nehmen. Daraufhin wurde sie von Teilen der polnischen Presse erneut geschmäht. Im „Sonntagsgast“ publizierten Priester Bilder von SS-Männern, wie sie sich „nach getaner Arbeit“ im deutschen KZ Auschwitz in Liegestühlen räkelten. In einem weiteren Artikel hieß es: „So wie Juden aus dem Ghetto freigekauft wurden, so müssen wir heute (…) ungeborene Kinder freikaufen und ihnen das Leben retten.“


Interview zu Film „abortion democracy“

Juli 16, 2009

„Abtreibung hat keine starke Lobby“
Interview mit der Regisseurin Sarah Diehl von Bianca Schroeder in der Taz vom 14.07.09

Illegal abzutreiben ist in Polen leichter als legal in Südafrika. Letztlich ist die Haltung der Ärzte wichtiger als das Gesetz, sagt Sarah Diehl. Ihr Film „Abortion Democracy“ läuft heute im Babylon.

In Ihrem Film vergleichen Sie die Situation des Schwangerschaftsabbruchs in Polen und Südafrika. Wie ist Ihr Interesse an dem Thema entstanden?
Ich habe 2004 eine Anthologie mit dem Titel „Brüste kriegen“ herausgegeben, in der Autorinnen über ihre Pubertät sprechen. Es geht darin auch um Abtreibung. Mir wurde klar, wie wenig die Erfahrung von Frauen damit in den Medien repräsentiert ist. Auch die Auswahl an Büchern zum Thema fand ich enttäuschend. Also habe ich mich entschlossen, selbst ein Buch herauszugeben, das Abtreibung in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen und in internationaler Perspektive behandelt. „Deproduktion – Schwangerschaftsabbruch im internationalen Kontext“ ist 2007 erschienen. Alarmierend war für mich die Statistik der WHO, dass weltweit alle sieben Minuten eine Frau an einer unsicheren, weil illegalen, Abtreibung stirbt. Das ist deshalb besonders dramatisch, weil dies medizinisch so leicht zu verhindern wäre, aber die Politik sich dagegen stellt. Um weiterhin auf diese Mißstände hinzuweisen, habe ich den Film „Abortion Democracy: Poland/South Africa“ gedreht.
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Tampons für Ewa Kopacz

Oktober 1, 2008

Am 11.09.08 hat die polnische Gesundheitsministerin Ewa Kopacz gegenüber Journalist_innen angekündigt, den Kampf gegen illegale Abtreibung aufnehmen zu wollen: Schwangere Frauen sollen von allen Ärtzt_innen an das Ministerium gemeldet und dort in einer zentralen Datei registriert werden. Den Rest des Beitrags lesen »