„Abtreibung hat keine starke Lobby“
Interview mit der Regisseurin Sarah Diehl von Bianca Schroeder in der Taz vom 14.07.09
Illegal abzutreiben ist in Polen leichter als legal in Südafrika. Letztlich ist die Haltung der Ärzte wichtiger als das Gesetz, sagt Sarah Diehl. Ihr Film „Abortion Democracy“ läuft heute im Babylon.
In Ihrem Film vergleichen Sie die Situation des Schwangerschaftsabbruchs in Polen und Südafrika. Wie ist Ihr Interesse an dem Thema entstanden?
Ich habe 2004 eine Anthologie mit dem Titel „Brüste kriegen“ herausgegeben, in der Autorinnen über ihre Pubertät sprechen. Es geht darin auch um Abtreibung. Mir wurde klar, wie wenig die Erfahrung von Frauen damit in den Medien repräsentiert ist. Auch die Auswahl an Büchern zum Thema fand ich enttäuschend. Also habe ich mich entschlossen, selbst ein Buch herauszugeben, das Abtreibung in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen und in internationaler Perspektive behandelt. „Deproduktion – Schwangerschaftsabbruch im internationalen Kontext“ ist 2007 erschienen. Alarmierend war für mich die Statistik der WHO, dass weltweit alle sieben Minuten eine Frau an einer unsicheren, weil illegalen, Abtreibung stirbt. Das ist deshalb besonders dramatisch, weil dies medizinisch so leicht zu verhindern wäre, aber die Politik sich dagegen stellt. Um weiterhin auf diese Mißstände hinzuweisen, habe ich den Film „Abortion Democracy: Poland/South Africa“ gedreht.
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Verfasst von lira5 
