19.9.: Noch eine Demo angekündigt

Auch das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung hat für den 19. September eine Demonstration angekündigt. Im Rahmen eines Aktionstages soll sie vom Brandenburger Tor zum Gendarmenmarkt gehen. Beide Orte lagen  in den vergangenen Jahren auf der “Marsch”route der “Lebensschützer”. Das Bündnis ruft zu “gemeinsamen, kreativen Aktionen” auf.

Warum es in diesem Jahr zwei Demonstrationen geben wird, dazu gibt es von keinem Bündnis eine Stellungnahme. Das What the Fuck-Bündnis ruft zu einer Demo um 11.00 Uhr ab S-Bhf. Anhalter Bahnhof auf und zum anschließenden “Sabotieren, Demonstrieren, Blockieren!” des Marsches.

Nicht schwierig zu erraten, dass die unterschiedlichen gewählten Aktionsformen und die jeweilige Haltung zu Pränataldiagnostik und Selbstbestimmung bei der Entscheidung für zwei Demonstrationen eine große Rolle spielten.

Auf dem neuen Plakat des Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung ist auch das Logo der Giordano Bruno Stiftung wieder aufgetaucht. Wer die Proteste gegen Peter Singer im Mai dieses Jahres mitgemacht oder -verfolgt hat, weiß wohl, was gerade an deren Teilnahme am Bündnis so problematisch ist. Dazu sei acu nochmals der Artikel von Kirsten Achtelik aus der aktuellen Phase 2 empfohlen: Fatale Ethik

Abtreibungsrecht in Russland (engl.)

Pussy Riot’s Nadya Tolokonnikova on the Fight for Abortion Rights in Russia

Abortion remains legal in Russia, but it’s obvious that anti-abortion—and anti-contraception, and anti-choice—forces are on the rise. As for sex education, I remember being told, “Your future child will resemble the man who took your virginity. Your body remembers that first man, so be careful who you choose!” at the only “sex education” lecture in my entire school career. In two hours the lecturer never once uttered the words sex or contraception. That was in 2005.

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Veranstaltung 20.8.: Neuer Film zu Abtreibung

Informationsveranstaltung und Film zum Schwangerschaftsabbruch / § 218

Wir geben einen kurzen Input zu Geschichte und aktueller Gesetzeslage
des Schwangerschaftsabbruchs in D / § 218 und zeigen im Anschluss einen
dokumentarisch-essayistischen Film zum Erleben vom
Schwangerschaftsabbruchs zu verschiedenen historischen Zeiten. In
Anwesenheit von Beteiligten am Film und mit einem kurzen Bereicht über
den Stand der Mobilisierungen gegen den “Marsch für das Leben”.

Die Veranstaltung ist per Fahrstuhl zu erreichen und rauchfrei. Danach
darf zu Cocktails, Bier und Brause wieder geraucht werden.

Donnerstag 20.8. // 19 Uhr // Projektraum, Hermannstraße 48 (U-Bahnhof
Boddinstr.)//*aze-Tresen

Maria, Christiane, Else, Karin, Lea, Lydia, Petra S., Petra W., und der
§ 218, Dokumentarfilm/Essayfilm 2015, 74 Min
Seit 1871 steht der § 218 im Strafgesetzbuch. Kurz nach der Proklamation
des deutschen Nationalstaats wurde auch das Reichsstrafgesetzbuch
verkündet, das bis heute – nun als Strafgesetzbuch der BRD – Geltung
hat. Der Paragraph bestimmt die Lebensrealität von Frauen, die ungewollt
oder ungeplant schwanger sind und kein Kind austragen wollen. Je nach
spezifischer Ausführung des Gesetzes, Lage der politischen Kämpfegegen
das Gesetz und dem ökonomischen und ideologischen Stand der Gesellschaft
fällt diese Realität zu verschiedenen historischen Zeiten verschieden
aus. In Interviews und literarischen Texten erzählt der Film vom Erleben
des Schwangerschaftsabbruchs. Die Erfahrungen unterscheiden sich nicht
nur dem Jahr oder dem Jahrzehnt nach, sondern sind je nach Erzählerin
ganz verschieden. Allem Erleben gemein ist: dem Wissen, was in der
eigenen, historisch-spezifischen und persönlich-erlebten Situation das
Richtige ist, steht ein Paragraph gegenüber. In großer Ruhe wird hier
von dem, was tabuisiert war und ist, offen erzählt: der Abtreibung.

19.9. Der Aufruf zur Demo

„Marsch für das Leben“? – What the fuck!
Antifeminismus sabotieren! Für körperliche Selbstbestimmung demonstrieren! Christliche FundamentalistInnen blockieren!
Dem Marsch, seinen AkteurInnen und ihrem Gedankengut entschlossen entgegentreten!

Andererseits sind aber „Schädigungen“ des Fötus, die in vorgeburtlichen Untersuchungen festgestellt werden, oft der eigentliche Grund für einen Abbruch nach der zwölften Woche. FLTI* werden zunehmend für die „Gesundheit“ und „Qualität“ ihres Nachwuchses zur Verantwortung gezogen und zu solchen Untersuchungen gedrängt. Dass sie ein Recht auf Nichtwissen haben, wird meist nicht erwähnt. Ein Gen-Test mit dem Blut der schwangeren Person auf Trisomie 21 („Down-Syndrom“) wurde 2013 auf dem deutschen Markt zugelassen. Der Druck auf Schwangere zur Selektion ist Bestandteil der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, die mit rassistischen, ableistischen (behindertenfeindlichen) und sexistischen Normvorstellungen aufrechterhalten wird.

Auffallend ist, dass in der Lebensschutz-Bewegung zunehmend nicht mehr nur die Kritik an Schwangerschaftsabbrüchen laut wird, sondern darüber hinaus auch vermehrt als Kritik am Selbstbestimmungs-Begriff. Insbesondere im Zusammenhang mit den Diskussionen um Sterbehilfe, Pränataler Diagnostik und Präimplantationsdiagnostik deklariert die Lebensschutz-Bewegung die Kritik an der Selbstbestimmung als ihr Thema. Diese auch berechtigte Kritik am Begriff der Selbstbestimmung und den Verfahren vorgeburtlichen Diagnostik greift die Lebensschutzbewegung in Form einer Selektionskritik im Namen Gottes auf. Hierbei inszenieren sie sich, trotz jahrzehntelanger Selbstorganisation von Menschen mit Behinderung, als rettende und legitime HelferInnen. Selbstbestimmung wird darin kritisiert, weil in ihr die Gefahr einer Emanzipation von Gott lauert. Dabei sollen nicht die lebenden Menschen entscheiden, wann sie sterben wollen oder ob sie Schwangerschaften austragen, sondern Gott.

Eine kritische emanzipatorische Perspektive am Konzept der Selbstbestimmung im Kontext der kapitalistischen Verhältnisse sieht jedoch anders aus. Selbstbestimmung im Kapitalismus  bedeutet oft eine permanente Leistungsbereitschaft, Selbstoptimierung und Dauerverwertung. Selbstbestimmung muss trotz aller Widersprüchlichkeiten dennoch eine wichtige Forderung queerfeministischer Kämpfe bleiben. Denn wo weiße deutsche cis*-Frauen überlegen können, inwiefern ihre selbstbestimmten Entscheidungen für oder gegen eine Schwangerschaft ideologisch aufgeladen sind, haben eine solche Möglichkeit nicht alle FLTI*. Das gilt beispielsweise in Deutschland sowohl für illegalisierte FLTI* als auch für Trans* und Inter*Personen, die mit weitaus höheren pathologisierenden medizinischen Barrieren rechnen müssen, sofern sie sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden.

hier mehr, leider sind die Fußnoten in dem Aufruf nicht verlinkt.

Außerdem setzen sich die meisten radikalen Abtreibungsgegner*innen nicht für die “bürgerliche Kleinfamilie”, sondern eher für die Großfamilie ein, da in ihren Augen nur so der Niedergang des Volkes bekämpft werden kann.

Der Praenatest, mit dem aus dem Blut der Schwangeren die Chomosome des Fötus untersucht werden können ist bereits seit 2012 auf dem deutschen Markt, nicht erst seit 2013.

Extrem rechte Mütter: »Antifeministisch, traditionsbewusst und volkstreu«

Rechtsextreme Frauen wähnen sich im “Geburtenkrieg” und sehen ihr Engagement im Aufziehen einer neuen Generation von Rassist_innen und Menschenfeinde. Ein ausführlicher Artikel bei Netz gegen Nazis.

Extrem Rechte versuchen, auf bestehende staatliche und nichtstaatliche Bildungseinrichtungen einzuwirken. Rechtsextreme Frauen und Mütter gehen hier oft äußerst strategisch vor: Sie wissen, dass sie häufig mit ihrer Weltanschauung für Außenstehende unsichtbar bleiben und setzen dies gezielt ein, um ihre Ideologie in den Kitaalltag einzubringen. Äußerst selten wird die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass Frauen sich politisch und im Besonderen rechtsextrem engagieren und der extrem rechten Szene angehören könnten. Doch mit dieser eingeschränkten Wahrnehmung gerät aus dem Blick, dass eine Vielzahl rechtsextremer Frauen in der Szene aktiv ist und sich in die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft einbringt.

Oft werden rechtsextreme Frauen, die sich ehrenamtlich in Kindertagesstätten, Schulen, Jugendzentren und Vereinen engagieren, mit ihren politischen Meinungen übersehen und nicht erkannt. Das Vorgehen ist oft sehr strategisch: In einem ersten Schritt gehen die Frauen auf die hauptamtlichen pädagogisch Tätigen und andere Eltern zu, versuchen Vertrauen aufzubauen und sich sozial zu engagieren, z.B. schlagen sie vor, den Spielplatz in einer gemeinsamen Aktion wieder aufzubauen. Sie bieten Hilfe an vielen Orten an: backen einen Kuchen für das Schulfest, sind aktiv als freiwillige Sporttrainerin beim Kinderschwimmen. In einem zweiten Schritt, – wenn eine vertrauensvolle Beziehung zu anderen Eltern und den Pädagoginnen und Pädagogen aufgebaut ist, engagieren sie sich in der Elternvertretung der Kita und bringen hier ihre Ideologie sukzessive ein. Das kann z.B. so aussehen, dass sich eine Mutter auf der Elternversammlung gegen das Flüchtlingsheim in der Nachbarschaft ausspricht und diskriminierende Bilder über die dort lebenden Familien verbreitet.

Die extrem rechten Frauen werden oft als Bereicherung gesehen und gelten als motivierte Unterstützerinnen in Bereichen, in denen es häufig an freiwilliger Mithilfe fehlt. Doch vertreten sie nicht weniger als ihre Ehemänner, Brüder und Gesinnungskameraden eine rassistische, menschenfeindliche Einstellung.

Besonders schwierig gestaltet sich der Umgang mit der Situation im Erziehungsbereich, weil die Kinder nicht für die Weltanschauung der Eltern belangt werden sollen, diese aber über ihre Kinder politischen Einfluss nehmen wollen. … Manche Kinder weigern sich, mit Kindern zu spielen, die eine andere Hautfarbe oder eine Beeinträchtigung haben.