Interview gegen Singer, gegen Peta

In der aktuellen Jungle World wird der beim Bündnis „Kein Forum für Peter Singer“ aktive Matthias Vernaldi interviewt. Hier einige Auszüge:

Vergangenes Jahr hat das Bündnis »Kein Forum für Peter Singer« zu Protesten gegen die Preisverleihung an Peter Singer selbst aufgerufen. Singer ist ein international anerkannter Bioethiker. Warum sollte er kein Forum bekommen?

Weil er schon in den siebziger Jahren die Tötung behinderter Menschen propagiert hat und dies auch immer noch vertritt. Der von ihm entwickelte Tierrechtsgedanke bietet ihm die Grundlage für solche Forderungen. …

Bei dem Preis geht es nicht um Behinderte, sondern um Tiere und »effektive Strategien zur Tierleidminderung«. Kann man das nicht voneinander trennen?

Singers Name ist untrennbar mit der Forderung nach »Euthanasie« verbunden, daher ist schon der Name des Preises ein Skandal. …

»PETA geht gar nicht …« hieß es in sozialen Medien, nachdem bekannt geworden war, dass die Tierschutzorganisation den Preis bekommen soll. Warum denn nicht?

PETA ist in verschiedener Hinsicht problematisch. Die internationale Kampagne »Holocaust auf deinem Teller« relativierte die Shoah und verhöhnte die Opfer. …

Für Ihre Mobilisierung gegen Singer und den Preis gab es Vorwürfe von Linken. Das sei »antidemokratisch« oder eine »Hexenjagd«. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?

…. Wir argumentieren, anstatt zu hetzen. Hexenjagden sehen auch in der Moderne anders aus, als auf einem Transparent »Shut up!« zu fordern.

Gegen die Verleihung des Peter-Singer-Preises an die Gründerin von PETA!

Pressemitteilung, 14.4.2016
Protest gegen die Verleihung des Peter-Singer-Preises an die Gründerin von PETA, Ingrid Newkirk am 23. April 2016.

Der „Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung“ will seinen gleichnamigen diesjährigen Preis an, Mitgründerin und Präsidentin von PETA verleihen.

Etwa 150 Menschen mit und ohne Behinderung folgten im vergangenen Jahr dem Aufruf des Aktionsbündnisses “Kein Forum für Peter Singer” und protestierten gegen die erstmalige Verleihung des Preises an Peter Singer selbst.[1]

Warum der Peter-Singer-Preis problematisch ist

Der Preis ist benannt nach dem australische Bioethiker Peter Singer. Er selbst bringt seine Forderung nach „Euthanasie“ in Zusammenhang mit seinem Engagement für Tierschutz. Er will Tiere aufwerten, indem er behinderte Menschen abwertet und schreibt, die Tötung eines Schimpansen sei „schlimmer […] als die Tötung eines schwer geistesgestörten Menschen“. Ein Interview, das Singer wenige Wochen vor der Preisverleihung der schweizerischen Neuen Zürcher Zeitung gab, löste größere Proteste aus. Darin bestätigte der Philosoph seine behindertenfeindlichen Positionen, die er seit den 1970er Jahren vertritt: „Empfindet sich jemand als Belastung für seine Familie, ist es nicht unbedingt unvernünftig, dass er sein Leben beendet. Wenn seine Lebensqualität eher schlecht ist und er sieht, wie seine Tochter viel Zeit aufwendet, um sich um ihn zu kümmern, und dabei ihre Karriere vernachlässigt, dann ist es vernünftig, ihr nicht weiter zur Last fallen zu wollen.“[2]

Warum PETA problematisch ist

Die Tierschutzorganisation PETA ist unter Tierschützer_innen umstritten. Sie führte beispielsweise 2004 eine internationale Kampagne durch, in der sie die Käfighaltung und industrielle Tötung von Tieren mit Bildern aus NS-Konzentrationslagern parallelisiert und so unter dem Titel „Der Holocaust auf Ihrem Teller” die Shoah relativiert.[3] Der Unterschied zwischen dem auf Vernichtung zielenden Antisemitismus der Shoah und der auf Ernährung und Profitmaximierung zielenden Haltung von Tieren wird so geleugnet.

Die Vorsitzende von PETA, Ingrid Newkirk ist eine ebenso absurde wie würdige Nachfolgerin des ersten Preisträgers. Sie rechtfertigt die von PETA praktizierte Tötung von Tieren damit, dass diese von ihrem Leiden erlöst würden: „Die meisten der Tiere, die wir aufnahmen und euthanasierten […] waren verwildert, hatten sich niemals in Gebäuden aufgehalten, waren alt, krank, verletzt, sterbend oder zu aggressiv um sie weitergeben zu können, und PETA hat sie schmerzlos von ihrem Leiden erlöst, kostenlos für ihre Halter oder die Menschen, die sie aufgenommen hatten.“[4]

Die Preisverleihung

Die Auswahl der Redner_innen und Themen gleicht der des letzten Jahres. Mit einem Vortrag zu Peter Singers letztem veröffentlichten Buch „Effektiver Altruismus“ zeigt sich, dass es sich bei Veranstaltenden und Teilnehmenden um einen Peter-Singer-Fanclub handelt.

Der Botanische Garten ist Teil der Freien Universität Berlin.[5] Wir fordern die Universität auf, diesem Fanklub von Shoah-Verharmloser_innen und Tötung von Behinderten-Rechtfertiger_innen keine Räume zur Verfügung zu stellen bzw. zu vermieten.

Angelehnt an den englischen Originaltitel dieses Buches sagen wir auch dieses Jahr: The most good you can do: Shut up! All of you!

Kein Forum für Peter Singers Fanclub!

Kontaktmöglichkeit: antisinger@riseup.net

[1] Hier finden Sie alle Informationen zu den Protesten im letzten Jahr: https://no218nofundis.wordpress.com/2015/05/11/kein-forum-fur-peter-singer/

[2] http://www.nzz.ch/nzzas/nzz-am-sonntag/philosoph-peter-singer-ein-embryo-hat-kein-recht-auf-leben-1.18547574

[3] Deutsche Gerichte verboten die Kampagne. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Urteil 2012 bestätigt.

[4] „Most of the animals we took in and euthanized […] were unsocialized, never having been inside a building of any kind […] aged, sick, injured, dying, too aggressive to place, and the like, and PETA offered them a painless release from suffering, with no charge to their owners or custodians.“ http://notdeadyet.org/2010/10/connecting-disability-rights-and-animal.html

[5] https://www.bgbm.org

Irland und Polen: Time for Change!

Eine 21-jährige Nordirin wird wegen einer Abtreibung zu drei Monaten Haft auf Bewährung  verurteilt. Sie hatte sich aus dem Ausland die Abteuíbungspille bestellt und war von ihrem Mitbewohner angezeigt worden. Bis heute gelten in Nordirland noch immer dieselben Abtreibungsgesetze wie vor über 150 Jahren. Nach dem aus dem Jahr 1861 stammenden Gesetz ist eine Abtreibung eine schwere Straftat. Sowohl die Frau als auch der behandelnde Arzt könnten im Fall einer Abtreibung dem Gesetz zufolge mit einer lebenslangen Haft bestraft werden.Sieben von zehn Nordiren befürworten eine Reform des Abtreibungsgesetzes, so eine im Februar veröffentlichte Umfrage von Amnesty International. Ausführliche Hintergründe hier.
In Polen gingen am Wochenende Tausende gegen Versuche auf die Straße, das ohnehin sehr strenge Abtreibungsverbot weiter zu verschärfen. In allen Kirchengemeinden wurde ein Schreiben an die Gläubigen verlesen, in dem die Bischöfe ihre Unterstützung für eine Verschärfung der Abtreibungsregeln bekräftigten. Darin heißt es, dass es nicht bei dem 1993 gefundenen Kompromiss-Gesetz bleiben könne. Die Bischöfe fordern stattdessen ein ausnahmsloses Verbot der Abtreibung. Diese Forderung wird auch von der polnischen Ministerpräsidentin Beata Szydlo unterstützt, deren PiS-Partei seit dem Wahlsieg im Oktober 2015 mit absoluter Mehrheit regiert. Das in Polen geltende Abtreibungsrecht ist bereits sehr restriktiv und gehört zu den schärfsten in Europa. Es erlaubt Abtreibungen nur in drei Fällen: Bei einer Bedrohung für Leib und Leben der Mutter, einer festgestellten irreversiblen schweren Schädigung des Embryos sowie bei einer Schwangerschaft, die durch Vergewaltigung oder Inzest herbeigeführt wurde. Die geplanten verschärften Regeln lassen nur noch die Lebensgefahr für die Frau als Abtreibungsgrund gelten. Mehr

Freiburg: Piusbrüder am 1. April

Am 1. April marschierte die Piusbruderschaft durch Freiburg. Auch in diesem Jahr marschierten um die hundert KlerikalfaschistInnen durch die Freiburger Innenstadt. Anders als in den letzten Jahren gab es keine offene Mobilisierung und trotzdem kamen etwa 150 AktivistInnen, um sich ihnen entgegen zu stellen.

Hier gibt es einen Bericht mit Fotos. Außerdem gab es einen Infostand  zum Thema Schwangerschaftsabbrüche. In dem Artikel sind auch einige der verteilten Inforationsbroschüren verlinkt.

USA: Trump will Frauen für Abtreibungen bestrafen

Donald Trump ist mittlerweile der aussichtsreichste aller republikanischen Präsidentschaftskanidaten. Diese Woche forderte er bei einem Auftritt in einer Kandidatenbefragung, es müsse „eine Art Strafe für Frauen“ geben, die eine Abtreibung vornehmen lassen. Außerdem müssten Schwangerschaftsabbrüche verboten werden.Eine Mitschrift des Gespräches finde sich hier.

Die empörten Reaktion von rechts wie links ließen nicht lange auf sich warten.

Auch bei Abtreibungsgegnern stieß Trumps Aussage auf Unverständnis. John Kasich, der wie Trump darum kämpft, von den Republikanern als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden, lehnte die Position Trumps entschieden ab. Er trete für ein Abtreibungsverbot ein, mit Ausnahmen im Fall von Vergewaltigung, Inzest oder wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr sei. Aber natürlich dürfte eine Frau nicht bestraft werden.

Die „New York Times“ zitiert Jeanne Mancini von der Organisation „March for Life Education and Defense Fund“ mit den Worten, Trumps Einstellung sei mit der Pro-Life-Bewegung nicht zu vereinbaren und erst recht nicht mit Frauen, die den traurigen Weg einer Abtreibung gewählt hätten. Kein Anhänger der Pro-Life-Bewegung würde jemals eine Frau dafür bestrafen wollen.

Wenige Stunden später korrigierte sich Trump in einer Pressemitteilung. „If Congress were to pass legislation making abortion illegal and the federal courts upheld this legislation, or any state were permitted to ban abortion under state and federal law, the doctor or any other person performing this illegal act upon a woman would be held legally responsible, not the woman. The woman is a victim in this case as is the life in her womb. My position has not changed – like Ronald Reagan, I am pro-life with exceptions“.

Kommentatore_innen erinnertn daran, dass Trump früher für die Abtreibungsfreiheit eintrat und Geld für die Demokraten spendete.

Filmtipp: Nur eine Handvoll Leben

Nur eine Handvoll Leben: Ein sehenswerter Film, in vielen Details gut beobachet und umgesetzt. Es geht um Patchworkfamilien, Pränataldiagnostik, Trisomie 18, Beratung und Abtreibung.

Bedauerlich ist allerdings dass die Gesetzeslage um den Schwangerschaftsabbruch (§ 218) nicht wahrheitsgemäß dargestellt werden kann: Wo war die medizinische Indikation der Schwangeren? Der ging es doch relativ gut. Die embryopathische Indikation (Legalisierung der Abtreibung auf Grund einer schweren Behinderung des Fötus) wurde 1995 abgeschafft!

Noch bis zum 23.06. in der Mediathek.

Tagung: „Nur Mut – Unbequeme Standpunkte zur Präntaldiagnostik“

Das „Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik“ lädt zu seiner Jahrestagung vom 17. bis 19. Juni 2016 nach Bremen ein. Vor allem der Samstag klingt vielversprechend, wenn es um „Lebensschutz- und pro choice – Bewegung: Strukturen, Inhalte, Positionierungen innerhalb der bioethischen Debatten“, „Verortungsversuche im Dreieck „Lebensschutz“-, Frauen- und Behindertenbewegung“ oder „Nichtinvasive pränatale Tests – Politik des Marktes und einer ableistischen Gesellschaft“ gehen wird.

Bei dem Netzwerk handelt es sich definitiv nicht um „Lebensschützer“ sondern um Leute, die sich seit Jahren kontinuirlich gegen die EInführung und Normalisierung von Pränataldiagnostik einsetzen, darunter viele Hebammen, Berater_innen und Frauenärzt_innen – Zeit sich zu vernetzen!

Checkt das Programm und meldet euch an, der Samstag kostet nur aktivist_innenfreundliche 15,- Euro.