Abtreibungsverbot (§218) abschaffen / Gegen christlichen Fundamentalismus

Kundgebung: „Smash 218 // Gegen christlichen Fundamentalismus“

Am 20.09.2008, 11.30 Uhr auf dem Platz vor dem Roten Rathaus (Berlin, Neptunbrunnen)

Für den 20. September 2008 mobilisieren der Bundesverband Lebensrecht und einige andere Organisationen zu einem „Schweigemarsch“ mit dem Titel „1000 Kreuze für das Leben“. Wir rufen dazu auf, diesem laut und mit vielfältigen Aktionen entgegenzutreten.

Die beteiligten Gruppen dieses „Schweigemarsches“ bezeichnen sich als Lebenschützerinnen und Lebensschützer, bekannter sind sie unter „Pro Life“. Dabei geht es ihnen auf der Grundlage eines christlich-fundamentalistischen Weltbildes um das Verbot und die Bestrafung von Abtreibungen. Sie sprechen allen Frauen das Recht ab, über ihren Körper selbst zu bestimmen. Sie lehnen jeden Schwangerschaftsabbruch als „vorgeburtliche Kindstötung“ ab. Statistisch unhaltbare Angaben über die Anzahl der Abtreibungen in Deutschland sowie die von Lebensschützer_innen erfundene Krankheit „Post-Abortion-Syndrom“ sollen Frauen moralisch unter Druck setzen und einschüchtern, sowie den Staat dazu bringen, die Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch weiter einzuschränken.

Im Gegensatz zu einer verbreiteten Meinung ist Schwangerschaftsabbruch in Deutschland weiterhin eine Straftat, die nur unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafrechtlich verfolgt wird. So z.B. wenn Embryo oder Frau medizinisch bzw. gesellschaftlich nicht den körperlichen oder geistigen Normen entsprechen – diese Regelung kann als Form der Eugenik angesehen werden. Nachdem 1995 der §218 im Strafgesetzbuch letztmalig neu geregelt wurde, brach die Debatte um Abtreibung in Deutschland ab. Wir fordern hingegen weiterhin, dass jede Frau selbst über einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden kann. Wir wollen eine Gesellschaft, in der Abtreibungen kein gesundheitliches, rechtliches oder ökonomisches Problem für Frauen darstellen und ohne Eingriff oder die Belehrung des Staates und der Angst vor dem moralischen Stigma zugänglich sind.

Die so genannten Lebensschützer_innen sind Teil des christlichen Fundamentalismus in Deutschland. Wie alle religiösen Fundamentalismen arbeiten auch sie hin auf eine gesellschaftliche Dominanz ihrer Dogmen, etwa Familienzentriertheit, Heterosexualität, Schicksals- und Obrigkeitsergebenheit. Ihr diesjähriger Auftritt in Berlin gewinnt auch deshalb an Relevanz, weil er von der im Januar 2008 gegründeten AUF-Partei (Arbeit, Umwelt und Familie) unterstützt wird. Sie will mit Großkampagnen nach dem Vorbild christlicher Fundamentalist_innen in den USA, Südamerika und Afrika auftreten. In den USA beinhalten die „Kampagnen“ unter anderem Blockaden von Kliniken, aber auch gewalttätige Übergriffe gegen sowohl Ärzt_innen als auch Frauen, die abtreiben wollen. Auch in Deutschland und Österreich werden Frauen, die Abtreibungskliniken aufsuchen, heute bereits durch „Gehsteigberatung“ eingeschüchtert und bedrängt und Ärzt_innen als „Massentöter“ diffamiert. Der „Schweigemarsch“ in Berlin wird der erste öffentliche Auftritt für die AUF-Partei sein.

Weder christliche Moralvorstellungen noch staatliche Zugriffe dürfen über das Leben und die Körper von Menschen bestimmen.

Deshalb rufen wir dazu auf, die Inszenierung der sog. Lebensschützer_innen als „Schweige- und Trauermarsch“ (dunkle Kleidung und weiße Kreuze) zu stören (bunte Kleidung und emanzipatorische Sprüche).

Aufrufer_innen:

a.g. gender-killer, ak linker feminismus, ANA – autonome Antifa Neukölln, Antifaschistisches Bündnis Süd-Ost [ABSO], Antisexismusbündnis Berlin, Antisexistische Praxen-Konferenz II, f.a.q. antisexistischer Infoladen, feministische FrauenLesbenListe FU Berlin, Forschungsgruppe Christlicher Fundamentalismus, Frauen- und Queer-Referate AStA TU Berlin, GAP Berlin, LISA 2 Marburg, LAK Shalom Berlin der Linksjugend [’solid], pro familia (Landesverband Berlin), Schwarzer Kanal

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