Tampons für Ewa Kopacz

Am 11.09.08 hat die polnische Gesundheitsministerin Ewa Kopacz gegenüber Journalist_innen angekündigt, den Kampf gegen illegale Abtreibung aufnehmen zu wollen: Schwangere Frauen sollen von allen Ärtzt_innen an das Ministerium gemeldet und dort in einer zentralen Datei registriert werden. Außerdem will Kopacz eine neue Abteilung innerhalb des Gesundheitsministeriums gründen, die „Abteilung für Mutter und Kind“. Teil der Abteilung soll ein Programm sein, das Frauen Zugang zu kostenloser gynäkologischer Gesundheitsvorsorge gewährt – auf freiwilliger Basis. Der Pferdefuß: versäumt eine Frau eine Routineuntersuchung, wird sie von einer Hebamme kontrolliert.
In Polen sind Abtreibungen seit 1993 nur noch erlaubt, wenn eine Vergewaltigung, Inzest oder schwere Gefahren für die Gesundheit der Schwangeren vorliegen. Allerdings wird Frauen auch bei gesundheitlichen Gefahren teilweise ein Schwangerschaftsabbruch verweigert. Folge des restriktiven Gesetzes in Polen sind zahlreiche illegale Abtreibungen, geschätzt zwischen 139.000 und 279.000 pro Jahr.
Polnische Aktivist_innen rufen zum Protest gegen die geplante Schwangerendatei auf. Agnieszka Graff von der polnischen Stiftung Feminoteka sagt:


Die Registrierung schwangerer Frauen ist ein Bruch des verfassungsmäßigen Rechts auf Privatsphäre und auf eine Art ein Comeback des totalitären Regimes. Das ist ein Angriff auf das Recht von Frauen auf gesundheitliche Versorgung, denn das Ergebnis wird sein, dass Frauen, die ungewollt schwanger sind, nicht mehr zur Ärtztin / zum Artzt gehen werden.

Feminoteka bittet darum, der polnischen Gesundheitsministerin gebrauchte Tampons und Binden zu schicken und so um Aufnahme in die Schwangerendatei zu bitten. Dies soll zeigen, wie grotesk das Anliegen ist, die Körper von Frauen kontrollieren zu wollen. Hier der vollständige Aufruf von Feminoteka:

Dear Women,

Poland’s Minister of Health, Ewa Kopacz, has just announced the
government’s plan to establish a database of all pregnancies in Poland in an
effort to eliminate illegal abortions. If this idea becomes law, every
pregnant woman will be registered by her physician. Her pregnancy will
remain under state surveillance, so that she cannot terminate it.We consider
this a shocking violation of women¹s human rights, the right to privacy, as
well as a blatant breach of patient-doctor confidentiality. We encourage you
to join Polish women in responding to the Minister with letters and used
tampons/ sanitary napkins (a tampon soiled with red ink or juice will do
just fine) proving that you are NOT pregnant.
Here is the address and a sample letter you may enclose with the evidence:

Minister Ewa Kopacz

ul. Miodowa 15

00-952 Warszawa

Poland

Dear Minister Kopacz,
I know that you are planning to build a database of
pregnancies in Poland. I am not a Polish citizen, but I too would like to be
registered in your system. I thought you may be interested to know that I am
not pregnant, and therefore unlikely to have an abortion. I send you my
towel/ tampon as proof. I will be glad to keep you up to date on the state
of my reproductive system.yours sincerely,
(name, address)

If you decide to support Polish women in this effort to respond to our government¹s
curiosity, please contact the Feminoteka Foundation, the inventors of the
action, send e-mail to: info@feminoteka.pl you can also see the Feminoteka
website (English): http://www.feminoteka.pl

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