Abortion Democracy: 2 x Film und Diskussion in Berlin

Demnächst gibt es gleich zweimal die Möglichkeit, den Film Abortion Democracy und darüber mit der Filmemacherin Sarah Diehl zu diskutieren:

9. Mai 2009 12 Uhr
im Rahmen des XXIV. BLACK INTERNATIONAL CINEMA BERLIN
Intercultural/Interdisciplinary Film/Video Festival
Rathaus Schöneberg
John-F.-Kennedy-Platz
Einrtritt frei

und

14. Juli 2009, 20 Uhr
Kino BABYLON
Rosa-Luxemburg-Str. 30

Abortion Democracy: Poland/South Africa
Deutschland 2008
Sprache: Englisch/Polnisch mit englischen Untertiteln
50 min.
Regie: Sarah Diehl

Der Film vergleicht die politischen, legislativen und gesellschaftlichen Entwicklungen bezüglich des Schwangerschaftsabbruchs in den Ländern Polen und Südafrika:
Der Vergleich dieser Länder eignet sich deshalb, da die Gesetzessprechung in den 90er Jahren in beiden Ländern gegenläufige Entwicklungen genommen hat: Polen kriminalisierte durch die Einflussnahme der Kirche Abtreibungen 1993. Südafrika liberalisierte hingegen 1997 den Schwangerschaftsabbruch durch eine Überprüfung des Rechtssystems auf diskriminierende Gesetze gegen Minderheiten nach der Apartheid und hat nun eines der liberalsten Abtreibungsgesetze weltweit.
Anhand dieser beiden Entwicklungen wird sehr deutlich, wie bestimmte Demokratisierungsprozesse die Wahrnehmung von Frauenrechten bezüglich ihrer Selbstbestimmung und körperlicher Integrität beeinflussen. Beide Länder illustrieren auch die Bedeutung der Einflussnahme von Frauen: Während in Polen die Lebensrealität von Frauen in den öffentlichen Debatten ausgeblendet wurde und wird, wurden in Südafrika öffentliche Anhörungen von Frauen im Parlament durchgeführt.
Gleichzeit ergibt sich aber aufgrund der Unterschiede im Gesundheitssystem beider Länder das Paradox, dass in Polen illegale Abtreibungen oft einfacher zugänglich sind als in Südafrika legale Abtreibungen.
Der Film gibt anhand von Interviews mit Aktivistinnen, Gesundheitspersonal und betroffenen Frauen einen Überblick auf internationale Verhältnisse in Bezug auf den Schwangerschaftsabbruch und stellt die Zugänglichkeit zu sicheren und legalen Abbrüchen in den Kontext von Ökonomie, gesellschaftliche Moralvorstellungen, sozialen Zwängen, Durchsetzung von Bürgerrechten und hinterfragt gesellschaftliche Vorannahmen über die Reproduktionsarbeit von Frauen.
Der Film eignet sich für medizinisches Personal, politisch Aktive und Menschen, die an reproduktiven Rechten allgemein interessiert sind, denn er gibt viele Denkanstöße über ein Thema, dessen Tabuisierung immer noch im Weg für die Anerkennung der Lebensrealität von Frauen steht und dessen Ignorierung dazu führt, dass laut WHO jedes Jahr um die 68.000 Frauen an einer unsicheren Abtreibung sterben.