Marokko: Illegale Abtreibungen

In Marokko sind Abtreibungen verboten, außer bei Gefahr für das Leben der Frau. Die Strafe dafür beträgt zwischen sechs Monaten und zwei Jahren Gefängnis für die Frau und ein bis fünf Jahre für die Person, die die Abtreibung durchgeführt hat. Bei Wiederholungs’taten‘ kann die Strafe bis zu 20 Jahre betragen. Prozesse deswegen sind allerdings selten. Das Verbot hindert Frauen nicht daran, zu versuchen eine ungewollte Schwangerschaft abzubrechen.
Chafik Chraibi, Chefarzt der gynäkologischen Abteilung des Krankenhauses Les Orangers in Rabat, schätzt, dass es 650 bis 800 klandestine Abtreibungen am Tag gäbe. Diese Zahlen bestätigt auch die marokkanische Familienpanungsassoziation (AMPF). Ca. 80% würden von Mediziner_innen durchgeführt und der Rest von den Frauen selber, Nachbar_innen, Kräuterkundigen etc. Eine ‚profesionelle‘ Abtreibung würd ca. 910 Euros (10.000 Dirham) kosten, eine ‚hausgemachte‘ sei fünfmal billiger. Letztere seien aber auch riskanter. Er habe Frauen behandelt, die sich Zyankali in die Vagina eingeführt hätten, andere hätten giftige abortive Substanzen getrunken, wieder andere versucht, eine Abtreibung mit Stricknadeln herbeizuführen. Die WHO schätzt, dass in Marokko 13% der Müttersterblichkeit mit Abtreibungen zusammenhängt.
Für den Mediziner ist es an der Zeit, das Gesetz zu ändern, damit diese Dramen nicht mehr vorkommen. Darum hat er 2008 die marokkanische Assoziation für den Kampf gegen klandestine Abtreibungen (AMLAC) gegründet. Abtreibung auf Verlangen der Frau, ohne Fristen und Indikationen sei in Marokko nicht durchsetzbar, daher setzt sich der Verein für eine Legalisierung von Abtreibungen in den ersten zwölf Wochen und bei fötaler Fehlbildung, nach Vergewaltigungen, Inzest, psychischen Beeinträchtigungen der Frau, bei Minderjährigen und bei ökonomischen Schwiergkeiten ein. In schwierigen Fällen solle eine Ethik-Kommission entscheiden.
Von der Presse sei seine Initiative interessiert aufgenommen worden, so Chraibi, aber weder politische Parteien noch feministische Gruppen hätten sich positiv geäußert. Nur die (moderat islamistische) Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) unterstütze seinen Vorschlag. Diesen fühle er sich allerdings ideologisch nicht verbunden.

Quellen findet ihr hier (spanisch) und hier (französisch).

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