Rat der evangelischen Kirche beklagt Berichterstattung über Evangelikale

Der Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) hat in einer Pressemitteilung die Berichterstattung der letzten Monate über Evangelikale als „fragwürdig“ und „verzerrt“ bezeichnet. Inkriminiert wird besonders ein Bericht des ZDF-Politikmagazins Frontal 21 vom 4.08.2009 mit dem Titel „Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer“. Frontal 21 geht in diesem Bericht dem Tod zweier junger Frauen nach:

Im Jemen sind im Juni drei junge Frauen ermordet worden, darunter zwei Bibelschülerinnen aus Deutschland. Rita Stumpp und Anita Grünwald hatten die Bibelschule Brake im ostwestfälischen Lemgo besucht, von hier waren sie in den Jemen aufgebrochen. Die Trauer um sie wird von der Frage begleitet, ob die Christinnen ein zu großes Risiko auf sich nahmen.
Einige Kursteilnehmer der Bibelschule Brake geben sich jedoch abgeklärt. „Man kennt ja die Gefahr, und dann macht man das freiwillig – und es wird ja niemand gezwungen“, sagen sie. Auf die Frage, ob sie bereit seien, für die Mission ihr Leben zu geben, antworteten sie mit „Ja“.

Der Rat der Evangelische Kirche scheint der Tod zweier junger Frauen genausowenig Sorge zu machen wie die verblendete Opferbereitschaft der Schüler_innen der Bibelschule Brake. Stattdessen wird beklagt, dass vermeintlich islamisches und christliches Märtyrertum in einen Topf geworfen werden:

Die verantwortlichen Journalisten können sich unter einem „Märtyrer“ offenbar nur den islamistischen Selbstmordattentäter vorstellen. Sie scheinen keinerlei Kenntnis von der christlichen Märtyrervorstellung zu haben, nach der ein Märtyrer Gewalt erleidet, aber nicht anderen Gewalt zufügt. Sie versteigen sich deshalb zu der ungeheuerlichen Feststellung: „Für Gott als Märtyrer zu sterben hat eine lange, unheilige Tradition. Auf dem Missionarsfriedhof in Korntal liegen jene, die den Evangelikalen noch heute als Vorbild dienen.“ Und darauf folgt in der Abmoderation der negative Höhepunkt des Beitrags: „Bereit sein, für Gott zu sterben. Das klingt vertraut – bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten.“

Nun sind christliche Fundamenalisten etwa in den USA durchaus bereit, „Ungläubige“ und „Sünder“ für ihren Glauben über die Klinge springen zu lassen, so etwa den Abtreibunsgarzt Dr. Tiller. Abgesehen davon ist es doch sehr bedenklich, wenn vermeintlich nur sich selbst schädigende christliche Märtyrer_innen als positives Beispiel gegen auch noch Andere schädigende islamische Märtytrer gestellt werden. Beide Haltungen sind Ausdruck eines auf einer menschenverachtenden Ideologie beruhenden Weltbildes. Weder der christliche noch der islamische Fundamentalismus lassen andere Meinungen, andere Lebensweisen gelten. Beide behaupten, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein und wähnen sich auf dieser Grundlage berechtigt, andere zu missionieren. Im Fall der beiden im Jemen ermordeten Bibelschüler_innen stellt sich auch die Frage, warum ihre so christlichen Lehrer_innen die beiden jungen Frauen offenbar ohne große Bedenken in eine absehbar gefährliche Situation geschickt haben.
Warum die Evangelische Kirche Menschen verteidigt, die Intoleranz predigen und scheinbar wenig Achtung vor dem eigenen oder dem Leben Anderer haben, bleibt rätselhaft. Es passt jedoch zu der Annäherung an die Evangelikalen des Ratsvorsitzenden der EKD Huber. Die evangelische Kirche hat in den letzten Jahren einen Mitgliederschwund zu beklagen. Scheinbar ist Huber jedes Mittel Recht, um wenigstens die meist sehr engagierten Evangelikalen an die Landeskirchen zu binden. So stellte er sich hinter das evangelikale Christival, bei dem auch Seminare zur „Heilung“ von Homosexuellen angeboten werden sollten, sowie hinter den Prediger Ulrich Parzany, der im Februar 2007 in der Berliner Gedächtniskirche verkündete: „Wir werden entweder den Geboten Gottes folgen oder unser Leben und die Gemeinschaft ruinieren“, nachdem er beklagt hatte, dass „Homosexualität zum Lebensstil“ gehöre.

Den ganzen Bericht von Frontal 21 gibt es hier:

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