Hetze gegen linke Abtreibungsrechtlerin

Asja Huberty, Landtagsabgeordnete der Linken in Schleswig-Holstein, hat sich vor einigen Tagen für ihren Essay „Anlässlich der Spätabtreibungsdebatte“ entschuldigt. Dem vorausgegangen ist eine Hetze, die durch den Bedarf an Aufregung in Zeiten des Wahlkampfs nur teilweise erklärbar ist.
Was war geschehen?
Mitte Mai 2009 hat der Bundestag die Verschärfung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes beschlossen. Die Verschärfung sieht – kurz gefasst – vor, dass Frauen, die eine medizinische Indikation erhalten möchten, um nach der 12. Woche abtreiben zu können, eine dreitägige Bedenkzeit zwischen der Beratung durch den Arzt und der Bescheinigung der Indikation einhalten müssen. Von Abtreibungsrechtler_innen, z.B. pro familia, wurde die Gesetzesverschärfung kritisiert, da sie keine bessere Beratung betroffener Frauen gewährleiste.
Asja Huberty nutzte den Anlass der Gesetzesänderung, um sich in einem Essay, der auf der Webseite ihres Kreisverbandes veröffentlicht wurde, zum Recht auf Abtreibung zu äußern. In diesem Essay wendet sie sich gegen jegliche Bevormundung von Frauen, wenn es um die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft geht und fordert auf zum „Krieg gegen das Abtreibungsverbot“. Soweit ist sie konform mit ihrer Partei, die für das Selbstbestimmungsrecht eintritt und als einzige Partei die Gesetzesverschärfung abgelehnt hatte.
Ihre Ablehnung einer Einmischung in die Entscheidung über eine Schwangerschaft fällt allerdings ausgesprochen explizit aus, zu explizit für die anderen Parteien und scheinbar auch für ihre eigenen Genoss_innen, um sich mit ihrer Position überhaupt auseinanderzusetzen. Zweifelsohne sind einige ihrer Formulierungen fragwürdig, etwa wenn sie schreibt, die Menschwerdung finde statt, indem sich das Kind aus den rein auf räumlich-zeitliche Explikationen begrenzten Wahrnehmungsmöglichkeiten des Tieres befreie. Ihre Formulierung lässt den Schluss zu, sie halte erst zwei- bis dreijährige Kinder für mit dem Recht auf Leben ausgestattete Wesen. Eine Reduzierung ihres Textes auf diese Aussage allein – die vermutlich eher auf Unerfahrenheit und Überschwang zurückzuführen ist – macht es zu einfach. Denn Hubertys Text vertritt eine Position, die viele Befürworter_innen des Rechts auf Abtreibung teilen:
Abtreibung ist niemals Mord. Bei einem Embryo oder Fötus handelt es sich nicht um ein soziales Wesen. So lange der Embryo Teil ihres Körpers ist, liegt die Entscheidung darüber ausschließlich bei der Frau.
Aus diesem Grund ist eine Zwangsberatung, wie sie in der BRD Jede, die abtreiben will, über sich ergehen lassen muss, abzulehnen. Frauen entscheiden selber über ihren Körper, und sie übernehmen die Verantwortung für diese Entscheidung. Ein Bevormundung seitens des Staates brauchen sie nicht.
Weiterhin sind die Motive derjenigen, die das Entscheidunsgrecht der Frau in Abrede stellen, mehr als zweifelhaft. Christlichen Abtreibungsgegner_innen geht es darum, ihrer Ideologie, ihrem Weltbild, Hegemonie zu verschaffen. Das bedeutet, Mutterschaft als Aufgabe jeder Frau zu setzen, und Mutterschaft heißt in diesem Fall auch Aufzucht und Betreuung des Kindes, denn Krippen werden abgelehnt und den Vätern soll kein Dasein als Hausmann zugemutet werden.
Die Motive staatlicher Stellen sind wiederum teilweise andere – in kapitalistischen Wirtschaftssystemen hat der Staat Interesse an Humankapital und an der möglichst kostengünstigen Reproduktion desselbigen. Kontrolle über Frauen heisst also Kontrolle über die Reproduktion des Humankapitals zu haben, und das ist interessant, doch dies nur am Rande.
Die Verschärfung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes im Frühjahr diesen Jahres hat die Lobbyarbeit der selbsternannten Lebensschützer eine entscheidende Rolle gespielt. Das Einzige, was diese Gesetzesänderung im Angebot hat, ist Repression und Bevormundung. Weder werden Frauen durch eine Verbesserung des Beratungsangebots in einer verdammt schwierigen Entscheidung unterstützt, noch werden Ärzt_innen darin bestärkt, im Sinne ihrer Patientinnen zu handeln.
Im Angesicht dessen ist es dringend notwendig, zu diskutieren, wer eigentlich über unsere Leben und unsere Körper entscheidet und mit welcher Begründung. Es ist dringend notwendig, daran zu erinnern, dass auch Frauen ein Selbstbestimmungsrecht haben. Das hat Asja Huberty getan und sich damit mehr als unbeliebt gemacht bei Jenen, die glauben, das Recht auf Selbstbestimmung längst erfolgreich unter den Tisch gekehrt zu haben.

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