Ratsvorsitzender der EKD unterstützt Marsch für das Leben

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Huber, der in der Vergangenheit schon öfter durch die Unterstützung Evangelikaler aufgefallen ist, unterstützt in einem Grußwort an den 1000 Kreuze Marsch die reaktionäre Haltung der selbsternannten Lebensschützer:

…man muss feststellen, dass die gut gemeinte Formel vom rechtswidrigen, aber straffrei bleibenden Schwangerschaftsabbruch dem allgemeinen Rechtsbewusstsein nicht wirklich zu vermitteln war. Nur noch wenige Menschen wissen, was in Fragen des Schwangerschaftsabbruchs in unserer Rechtsordnung verboten oder erlaubt, rechtswidrig oder rechtmäßig ist. Insofern ist es gut, wenn der Schweigemarsch „1000 Kreuze für das Leben“ und der anschließende ökumenische Gottesdienst zum wiederholten Male ein Zeichen für das Leben setzen.

Feststellen muss man allerdings auch, dass die Evangelische Kirche in Deutschland keineswegs immer radikal gegen das Recht auf Abtreibung gearbeitet hat, sondern teilweise durchaus erkannt hat, dass die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft nur von der davon Betroffenen – der Frau – getroffen werden kann. (Sehr umfangreich dazu Simone Mantei). Auch der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes befürwortete 2001 die Fristenlösung ohne Beratungszwang, die seit 2001 in der Schweiz gilt. Begründet wird das damit, dass rechtliche Regelungen sich der „demokratischen Diskussion und dem Wandel der Mentalitäten“ anzupassen habe. Außerdem gehe es vorrangig um die „christliche Freiheit und das selbstverantwortete Handeln“.

Nun geht es uns zwar um Freiheit, und nicht um christliche Freiheit, und wir werden auch nicht zu Apologet_innen eines christlichen Weltbildes. Dennoch zeigt die Stellungnhame der schweizer Protestant_innen, dass die Anerkennung von Freiheit und Selbstbestimmung eine Möglichkeit religösen Denkens ist. In dieser Stellungnahme steckt die wichtige Erkenntnis, dass Religion und daraus resultierende Verhaltensgrundsätze niemandem aufzudrängen sind. Die Ansichten der Kirchen darüber, was wir mit unseren Körpern tun sollten, hat für uns keine Relevanz – und diese Ansichten haben in staatlichen Regelungen nichts zu suchen.
Das diese Erkenntnis Erzbischof Huber so gänzlich verloren gegangen ist, zeigt wieviel Einfluss die homophoben evangelikalen Patriarchatsfreund_innen innerhalb der Evangelischen Kirche gewonnen haben. Und es zeigt, wie notwendig es ist, sich den Bestrebungen der Evangelikalen, der Katholik_innen und ihrer Institutionen, unser Recht auf Selbstbestimmung noch weiter einzuschränken, entgegenzustellen.

Keep your rosaries out of our ovaries!

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Ein Gedanke zu „Ratsvorsitzender der EKD unterstützt Marsch für das Leben

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