Evangelikale fordern, aus der Schwangerschaftskonfliktberatung auszusteigen

Wie der Rheinische Merkur berichtet, hat der evangelikale Gemeindehilfsbund aus Walsrode eine Unterschriftenkampagne gestartet, die zum Ziel hat, evangelischen Beratungsstellen die Ausstellung der für eine Abtreibung notwendigen Beratungsscheine zu untersagen. Um innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen straffrei abtreiben zu können, müssen Schwangere eine gesetzlich zugelassene Beratungsstelle aufsuchen und sich dies mit einem Schein bestätigen lassen. Die katholische Kirche ist bereits Ende der neunziger Jahre aus der Beratung ausgestiegen, da die Beratungssscheine einer „Lizenz zum Töten“ gleichkämen.
Joachim Cochlovius, Vorsitzender des Gemeindehilfsbundes, kritisiert die ergebnisoffene Beratung, wie sie gesetzlich vorgeschrieben ist. Er wolle eine Beratung „zum Leben hin“. Evangelische Beratungsstellen sollten Frauen „helfen ihr Kind zu bekommen“, selbst wenn sie es nicht behalten wollen. In anderen Worten: Die Beratung der evangelischen Kirche soll in Zukunft nicht mehr die Interessen und das Wohl schwangerer Frauen im Blick haben, sondern ausschließlich die moralischen Prinzipien eines bestimmten Teils der Evanglischen Kirche propagieren. Dies widerspräche nicht nur den gesetzlichen Bestimmungen, sondern auch den Grundsätzen der sozialen Beratung, die neben Freiwilligkeit auch Ergebnisoffenheit und Parteilichkeit im Sinne der Betroffenen vorsieht.
Der für seine Unterstützung evangelikaler Strömungen bekannte EKD_Ratsvorsitzende Huber schreibt in dem Buch „Familie haben alle“: „Im Jahr 2005 sind in Deutschland 676 000 Kinder geboren worden. Hätten nur die statistisch erfassten Schwangerschaftsabbrüche sich vermeiden lassen, wären es über 800 000 Kinder gewesen.“ Huber argumentiert hier damit, dass nicht alle Schwangerschaftsabbrüche statistisch erfasst würden. Diese Behauptung übernimmt er von radikalen Lebensschützern wie dem Opus Dei Mitglied Prof. Spieker. Allerdings wird sie auch von Prof. Spieker in keiner Weise belegt. Dennoch bekannte Huber sich (noch) zur ergebnissoffenen Beratung.

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