Erlangen: They did it again…

16 Jahre nach dem berühmt-berüchtigten „Erlanger Baby“-Fall, als Ärzt_innen dieser Klinik Marion Ploch, eine klinisch tote schwangere Frau, weiter an die Geräte angeschlossen ließen, um das „Kind“ auf die Welt zu bringen, haben Ärzt_innen dieser Klinik das Experiment an einer anderen Frau wiederholt. Damals kam es nach mehr als einem Monat zu einem Spontanabort, wonach die Frau umgehend für tot erklärt wurde.  Dieses Experiment von 1992 löste große Debatten um die Zulässigleit von Experimenten mit Toten und die Schutzwürdigkeit des Lebens aus. Eine gute Übersicht zu den Vorgängen und ihren Konsequenzen hat Oliver Tolmein geschrieben.

Nun haben Ärzt_innen derselben Klinik das Experiment wiederholt, diesmal allerdings mit „Erfolg“ und wesentlich geschickter: Die Öffentlichkeit wurde erst jetzt, anderthalb Jahre nach der „Geburt“ informiert. Prof. Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik an der Uniklinik Erlangen sagte dem BR dazu: „Wir wollten den spektakulären Fall so lange geheim halten, um zu beweisen, dass wir nicht mit Menschen experimentieren und dass das Kind bis heute gesund ist.“ Außerdem hätten die Ärzt_innen permanent mit der Ethik-Kommission des Krankenhauses zusammengearbeitet. Warum eine Geheimhaltung von mehr als 2 Jahren (inclusive der aufrechterhaltenen „Schwangerschaft“) beweist, dass da kein Experiment stattgefunden hat, bleibt rätselhaft. Ein wahrscheinlicherer Grund ist, dass hier nach dem Motto verfahren wurde: „Der Erfolg gibt ihnen Recht“, um eine gesellschaftliche Debatte wie 1992 zu vermeiden.  Was mit der 40-jährigen Frau passiert ist, deren Schwangerschaft  im Wachkoma 22 Wochen aufrechterhalten wurde, werden keine Angaben gemacht: wurden die Geräte nach dem Kaiserschnitt abgeschaltet? Ist sie wieder aufgewacht? Liegt sie immer noch auf der Erlangener Intensivstation?

Auch in Nürnberg hat im letzten Sommer eine 30-Jährige unter ähnlichen Umständen „ein Kind zur Welt gebracht“, wie die Presse das gerne nennt. Weltweit sind laut dem Sprecher der Uniklinik Erlangen, Johannes Eissing, rund 30 Fälle belegt, in denen eine Frau nach einem Hirntod noch ein Kind „zur Welt gebracht hat“. Bereits Anfang der 80er Jahre war in den USA erstmals eine hirntote Frau fünf Tage „am Leben“ gehalten worden, bis das Kind per Kaiserschnitt geholt wurde.
Auch in Deutschland „gelang“ ein solches Experiment offenbar schon 1991, nachdem der Körper der Frau drei Monate lang künstlich funktionsfähig erhalten worden war.

Vielleicht sollten solche Fälle beim Schreiben einer Patient_innenverfügung mitbedacht werden…