OT: Mord an queerem Aktivisten in Honduras

Am vergangenen Sonntag wurde in Honduras der schwule LGBT-Aktivist Walter Tróchez ermordet. Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben bereits reagiert, weiter unten die Übersetzung einer Stellungnahme der amerikanischen IGLHRC vom 17.12.2009. Der gerademal 27 Jahre alte Aktivist ist bereits das 16. dokumentierte LGBT-Opfer seit dem Militärputsch in Honduras vom 28. Juni. Tróchez selbst hatte versucht, in einem offenen Brief vom 16. November internationale Aufmerksamkeit für die Situation in seinem Land zu schaffen.
Wie verhält sich die deutsche Regierung?
Es steht zu befürchten, dass die deutsche Bundesregierung die von den Putschisten am 29. November abgehaltene Wahl anerkennt und den – unter absolut undemokratischen Voraussetzungen in einem militarisierten Land – zum Präsidenten gewählten Porfirio Lobo und dessen neue Regierung legitimiert. Unwahrscheinlich, dass diese die Verbrechen des Putschregimes aufklärt und bestraft. Der Putsch wurde, weltweiter Verurteilung zum Trotz, von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung von Anfang an gerechtfertigt und verharmlost. Der neue deutsche Außenminister, Guido Westerwelle (FDP), hat sich bislang nicht von dieser Position distanziert.

Stellungnahme der US-amerikanischen International Gay and Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) vom 17.12.2009
Übersetzung aus der englischen Fassung
Junger honduranischer LGBT-Aktivist ermordet / Welle von Gewalt und Straflosigkeit
Am 13. Dezember wurde Walter Tróchez, 27-jähriger Aktivist für Homo-Rechte und Mitglied der Nationalen Widerstandsfront gegen den Staatsstreich, aus einem vorbeifahrenden Fahrzeug von Unbekannten beschossen. Er starb einige Stunden später in einem Krankenhaus in Tegucigalpa, Honduras. Nach Angaben der NGOs Red Lésbica Cattrachas und Feministas en Resistencia ist dies der sechzehnte bekanntgewordene Mord an einem Mitglied der honduranischen Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen- und Transgender-Community (LGBT) seit dem Militärputsch am 28. Juni 2009. Seit dem Sturz der demokratisch gewählten Regierung herrscht ein Klima der Straflosigkeit, das systematische trans- und homophobe Gewalttaten ermöglicht. Niemand ist für die Verbrechen belangt worden, von denen viele auf offener Straße verübt wurden. Es ist wahrscheinlich, dass es noch weitere, nicht dokumentierte, Morde an LGBTs gegeben hat.
Als direkte Folge des Militärputschs werden die Menschenrechte von Personen aller gesell-schaftlichen Gruppen in Honduras systematisch verletzt. Die hohe Zahl von ermordeten LGBTs innerhalb der letzten fünf Monate deutet jedoch auf eine gezielte Gewalt gegen diese Gruppe hin.
Seit dem Putsch wurden ermordet:
1. Vicky Hernández Castillo, transgender, 29. Juni 2009
2. Valeria, (Darwin Joya), transgender, 30. Juni 2009
3. Martina Jackson (Martín Jackson), transgender, 30. Juni 2009
4. Fabio Adalberto Aguilera Zamora, schwul, 4. Juli 2009
5. Héctor Emilio Maradiaga Snaider, schwul, 9. August 2009
6. Michelle Torres (Milton Torres), transgender, 30. August 2009
7. Enrique Andrés García Nolasco, schwul, 2. September 2009
8. Jorge Samuel Miranda Mata (Salome), transgender, 20. September 2009
9. Carlos Reynieri Salmerón (Sadya), transgender, 20. September 2009
10. Marión Lanza, transgender, 9. Oktober 2009
11. Montserrat Maradiaga (Elder Noe Maradiaga), transgender, 10. Oktober 2009
12. Juan Carlos Zelaya, transgender, 26. Oktober 2009
13. Rigoberto Wilson Carrasco, transgender, 2. November 2009
14. José Luís Salandía, schwul, 2. November 2009
15. Unbekannter Mann, schwul, 4. November 2009
16. Walter Tróchez, schwul, 13. Dezember 2009
Walter Tróchez, das letzte Opfer der Gewalt, arbeitete in der Aufklärung über Menschenrechte in Honduras. Als LGBT-Aktivist berichtete Tróchez auch über die Menschenrechtssituation der Community seit dem Putsch, er setzte sich für die Prävention von HIV/AIDS und gegen religiösen Fundamentalismus ein.
Wie andere in Honduras war Tróchez aufgrund seines politischen und Menschenrechts-engagements sowie seiner sexuellen Orientierung Bedrohungen ausgesetzt, die nach dem Putsch extrem zunahmen. Am 20. Juli 2009 wurde er von Ordnungskräften wegen der Teilnahme an einer friedlichen Sitzblockade gegenüber dem Parlamentsgebäude in Tegucigalpa festgenommen. Während seiner Haft wurde er brutal geschlagen und aufgrund seiner sexuellen Orientierung beleidigt. Am 4. Dezember wurde Tróchez von vier maskierten Männern entführt und geschlagen. Die Täter kamen in einem grauen Pick-up ohne Nummernschilder und werden von Aktivist_innen verdächtigt, der Kriminalpolizei Dirección Nacional de Investigación Criminal (DNIC) anzugehören. Tróchez konnte fliehen und erstattete Anzeige vor honduranischen und internationalen Instanzen – nur wenige Tage bevor er ermordet wurde.
Am 10. Dezember 2009, dem Tag der Menschenrechte, nur drei Tage vor dem Mord, sprach die honduranische LGBT-Menschenrechtsverteidigerin Indyra Mendoza vor staatlichen und zivilgesellschaftlichen Vertreter_innen am Sitz der UNO in New York. In ihrer Rede machte sie auf die bedrohliche Lage von LGBT in Honduras aufmerksam. Dabei forderte sie „Länder ohne Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität [sowie] frei von Straflosigkeit“ und kritisierte die Rolle religiöser Organisationen bei der Unterstützung des Putschs.
Die International Gay and Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) bekundet ihre Solidarität und ihr Mitgefühl gegenüber den Familienangehörigen und Freund_innen von Walter Tróchez und von allen, die während dieser gewalttätigen Monate ermordet wurden. Die internationale Gemeinschaft muss die mutigen Aktivist_innen unterstützen und weiterhin die Menschenrechte sowie LGBT in Honduras verteidigen.
Alle Menschen haben ein Recht auf Leben, Sicherheit und Freiheit von Diskriminierung – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität und politischen Überzeugung. Die IGLHRC verurteilt die systematische Verfolgung und Ermordung von LGBT und Menschenrechtsverteidiger_innen in Honduras und fordert ein Ende der Straflosigkeit, die das hohe Maß an Gewalt und Unterdrückung erst ermöglicht.

Auch amnesty international fordert eine sofortige und unabhängige Untersuchung des Mordes.

Der obigen Liste muss auch bereits ein weiteres Opfer, dessen Leiche am 17. 12. geköpft und kastriert am Rande einer Schnellstrasse gefunden wurde, hinzugefügt werden.

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