Jungle World über Christenfundis, Homophobie und Abtreibung

Die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung Jungle World beschäftigt sich mit Homophobie in Afrika. Besonders lesenswert sind zwei Artikel, die auf den Zusammenhang von christlichem Fundamentalismus, Anti-Choice und Homophobie eingehen. William Hiscott weist darauf hin, dass Homophobie zwar nicht „bloßes Importgut westlicher Kolonialisten“ sei, aber zweifellos evangelikale Missionare ihr Gedankengut auch in Afrika zu verbreiten suchen:

»Durch die Verbreitung ihrer Ansichten und die Finanzierung von Infrastruktur spielen konservative US-Evangelikale eine starke Rolle bei der Förderung der Homophobie in Afrika«, re­sümiert Kapya Kaoma in seiner jüngst veröffentlichten Studie mit dem Titel »Globalizing the Culture Wars«, die die verstärkte, explizit gegen Homosexualität gerichtete globale Missionstätigkeit von fundamentalistischen Christen aus den USA untersucht.

Martina Backes geht auf die Situation von LGBT in Kenia ein, die von Mobgewalt und repressiven Gesetzen betroffen sind. Hier verbindet sich der Kampf gegen Schwule und Lesben mit dem gegen das Recht auf Abtreibung:

Die vielen Medienberichte über die angekündigte Hochzeit des schwulen Paares in Mtwapa haben zumindest dazu geführt, dass im streng christlichen Westen Kenias nun diejenigen, die an das Wort »gay« kaum zu denken wagen, sich mit der Existenz von Homosexualität konfrontiert sehen. Allerdings benutzt die Presse ein sehr abfälliges Vokabular: Die Eheschließung sei aborted, sprich »abgebrochen« oder »abgetrieben« worden. Das passt dazu, dass gleichzeitig in Kenia ein religiös geprägter Streit um das extrem restriktive Abtreibungsgesetz geführt wird, welches schon für den Versuch oder die Beihilfe zum Versuch einer Abtreibung sieben bis 14 Jahre Gefängnis vorsieht. Nachdem Menschenrechtlerinnen ein Recht auf legale Abtreibung gefordert haben, agitieren die christlichen Fundamentalisten nun gleichermaßen gegen Homosexualität und Abtreibung.

In diesem Zusammenhang wirkt das Wort aborted wie ein Signal, denn Abtreibung wird von christlichen Radikalen weithin als Mord angesehen. Die von Polizei und Mob verhinderte Homo-Hochzeit wird so in der Berichterstattung mit der Hoffnung verknüpft, derlei Ansinnen aus der kenianischen Gesellschaft ein für allemal auszutreiben. Die noch junge Bewegung der Schwulen, Lesben und Transsexuellen hat also schwierige Zeiten vor sich. Die Illegalisierung der Abtreibung und die daraus immer wieder folgende Verweigerung ärztlicher Behandlung haben übrigens zur Folge, dass jährlich rund 3 000 Frauen an den Folgen von Abtreibung sterben. Die religiös geprägte Moral ist in Kenia nicht nur für Homosexuelle lebensgefährlich.

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