Erster TV-Werbespot für Beratung bei ungeplanter Schwangerschaft in Großbritannien ausgestrahlt


Wie der Guardian berichtet, wurde gestern, am 24.05.2010, der erste TV-Werbespot der Organisation Marie Stopes International ausgestrahlt. Marie Stopes International ist der größte Dienstleister für sexuelle und reproduktive Gesundheitsfürsorge in Großbritannien. Der Werbespot ist erst durch eine Lockerung der Regelungen für nicht-kommerzielle Organisationen möglich geworden. Die Organisation will mit dem Spot, der Teil einer Kampagne ist, Aufklärungsarbeit leisten. Abtreibung sei immer noch ein Tabuthema, über das nicht offen gesprochen würde. Es gäbe zwar vielfältige Informationen zum Thema ungeplante Schwangerschaft, allerdings seien diese oft unvollständig oder nicht akkurat. Das Ziel der Kampagne ist es, Frauen zu ermöglichen, informiert und selbstbewusst Entscheidungen über ihre sexuelle Gesundheit zu treffen.
Aufklärung über gesundheitliche Themen sorgt jedoch immer noch für Empörung, die Abtreibungsgegner_innen-Organisation „Life“ bezeichnet den Spot als „grotesk“ und wirft Marie Stopes vor, Abtreibungen „verkaufen“ zu wollen. Marie Stopes ist allerdings eine non-profit-Organsiation. Auch ist unklar, inwiefern der Hinweis, dass eine ausbleibende Periode das Anzeichen für eine Schwangerschaft sein könnte, und dass in diesem Falle das Beratungsangebot von Marie Stopes in Anspruch genommen werden kann, „grotesk“ sein sollte. Nicht viel mehr wird in dem Werbespot mitgeteilt.
Auch die rechstkonservative „Junge Freiheit“ berichtet über die Werbung, besonders erbaulich sind die Kommentare der werten Junge Freiheit-Leser_innen:
„Der Feminismus ist in vielerlei Hinsicht das Korresponierende zum NS-Rassismus. Bspw. korresponiert der antimaskuline Sexismus mit dem Rassismus. Ein weiterer Gedanke treibt mich schon länger um: Falls man meinen sollte, dass Mordanschläge gegen führende Nazis moralisch gerechtfertigt sind, und wir heute den Artikel 20 GG haben, der Widerstand vorsieht, dann muss man sich fragen, in welcher Form heute Widerstand gegen dieses Abtreibungssystem gerechtfertigt ist.“
„Auf jeden Fall erreichte der organisierte Massenmord mit der Abtreibung seine bisher letzte Steigerung, was die Lieblosigkeit und die Absurdität betrifft. Denn KZs und Atombomben kann man ja immerhin noch irgendwie durch eine Bedrohung des eigenen Lebens rechtfertigen.“
Da präsentiert der Maskulist doch seine dürftigen Argumente schön komprimiert. Feminismus ist ungefähr dasselbe wie der Nationalsozialismus, Abtreibungen schlimmer als die Shoa. Und Männer sind derartig bedroht, dass sie über bewaffneten Widerstand nachdenken müssen. Ja, und die Sorge ums Aussterben des deutschen Volkes darf auch nicht fehlen, das Zitat spare ich mir mal. Angesichts solcher Paranoia, die so leicht in Vernichtungsphantasien abgleitet, ist Aufklärung und Information in jeglicher Hinsicht dringend geboten, oder?

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