Keine Abtreibung, keine Pille danach, keine Spirale: Krankenhaus auf katholisch

Die Gemeinde Simmerath, in der Eifel gelegen, dürfte nur selten die Aufmerksamkeit unserer Leser_innen erhalten. Zur Zeit führt dort Kardinal Meißner, in dessen Bistum Simmerrath liegt, mal wieder ein Lehrstück über die Rückständigkeit, Weltferne und nicht zuletzt Anmaßung der katholischen Kirche auf.
Das Krankenhaus St. Birgida, getragen von den Maltesern, also katholisch, ist so gut wie pleite. Der Malteserorden wird sich aus der Trägerschaft zurückziehen, stattdessen soll die Städteregion Aachen das Krankenhaus zum 1. Juli übernehmen. Dies droht nun allerdings zu scheitern: Das Erzbistum Köln muss der Übernahme zustimmen. Diese Zustimmung hat Kardinal Meisner davon abhängig gemacht, dass auch in Zukunft medizinische Leistungen wie Schwangerschaftsabbrüche, das Einsetzen einer Spirale oder die Abgabe der „Pille danach“ nicht angeboten werden. Zudem fordert er, dass dem Kölner Generalvikariat halbjährlich Berichte vorgelegt werden, die die ärztlichen Maßnahmen der gynäkologischen Abteilung dokumentieren und die Einhaltung der kirchlichen Vorgaben belegen – unter „Wahrung des Datenschutzes“ natürlich.
Der Deutschlandfunk berichtete heute in der Sendung „Deutschland heute“, dass die Städteregion Aachen diese Vorgabe ablehnt. Leider ist der Bericht noch nicht online verfügbar.
Nun läßt es sich schon diskutieren, ob ein Krankenhaus in religiöser Trägerschaft medizinische Eingriffe verweigern darf, weil sie nicht den moralischen Vorstellungen der jeweiligen Religion entsprechen, vorallem in Regionen, in denen die medizinische Versorgung von wenigen Krankenhäusern abhängt, wie dies in der strukturschwachen Eifel der Fall ist.
Das aber ein Kirchenherr sich einbildet, Einfluß auf die medizinische Versorgung in einem staatlichen Krankenhaus nehmen zu dürfen, und das auch noch in einer Form, die die Weitergabe von sensiblen persönlichen Daten erfordert, ist, gelinde gesagt, eine Unverschämtheit. Scheinbar wähnt sich der Kardinal tatsächlich in der Position, die Entscheidungen von Frauen über ihren Körper kontrollieren und überwachen zu dürfen. Es bleibt zu hoffen, dass die Städtregion Aachen sich nicht darauf einläßt, öffentliche Gesundheitsversorgung von den Ansichten eines fundamentalistischen Christen abhängig zu machen.

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