Die miesen Tricks der Abtreibungsgegner_innen

In einem bemerkenswerten Selbstversuch hat die Journalistin Sarah Jäggi die Methoden der Schweizer SHMK (Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind) recherchiert und für die Zeit diese bemerkenswerte Reportage geschrieben. Gruselig:

An der Tramhaltestelle treffe ich die Beraterin, eine Kollegin der Frau, mit der ich bisher Kontakt hatte. Sie ist erstaunt, dass ich es bin. „Ich hätte Sie jünger geschätzt, nicht 38“ ist ihr erster Satz. Und den zweiten Satz, den wird sie in den folgenden 90 Minuten häufiger sagen als jeden anderen: „Haben Sie keine Angst, Hannah, wir helfen Ihnen.“ Sie legt die Hand auf meinen Arm. Ein Satz, eine Geste, die auch den ehemaligen Mitarbeitenden geläufig sind, mit denen ich später Kontakt haben und die mir bestätigen werden, dass die Beratung, wie ich sie erlebe, „sehr typisch“ sei.

Im Beratungszimmer stehen neben der Kinderspielecke ein Sofa, zwei Sessel, ein Clubtisch, darauf ein Stapel mit Unterlagen, zuoberst eine ausgedruckte Mail mit meiner SMS-Nachricht vom Vormittag: „Abtreibung ist erlaubt bis 12. Woche, oder? Kann ich das mit Medikament machen? Kann ich das bei Ihnen bekommen (kaufen?)“

„Wissen Sie, wir sind keine Ärzte“, sagt die Beraterin. „Aber wir können Ihnen helfen.“ Nur mit der Abtreibung sei es etwas schwierig. Sie sucht nach Worten. Legal seien Abtreibungen, nehme man es genau, nämlich nicht. Sie würden bloß nicht bestraft bis in die zwölfte Woche.

Eine solche Information ist für Christine Sieber „einschüchternd“, ja „absurd“. Und eine spitzfindige Auslegung dessen, was die Fristenregelung seit 2002 vorsieht: Dass eine Frau in den ersten zwölf Wochen frei über ihre Schwangerschaft entscheiden kann.

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