Pressemitteilung „Kein Forum für Peter Singer“

Am 26.5.2015 diesen Jahres soll der umstrittene australische Bioethiker Peter Singer in der Berliner „Urania“ den „Peter-Singer-Preis“ für seinen Beitrag zur „Tierleidminderung“ erhalten. Bekannt ist Philosoph Singer seit den 1980ern Jahren wegen seiner Forderung, die Tötung behinderter Säuglinge unter bestimmten Bedingungen zu legalisieren.

Erst im April hatte er in einem US-Radio-Interview gefordert, behinderten Säuglingen Leistungen des öffentlichen Gesundheitssystems zu entziehen. „Ich möchte nicht, dass sich meine Versicherungsbeiträge erhöhen, damit Kinder ohne Aussicht auf Lebensqualität teure Behandlungen bekommen“, so der Princeton-Professor.

Geehrt wird der Philosoph mit dem „Peter Singer Preis“ – durch den „Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidminderung“. Dabei handelt es sich um einen Ableger der Giordano-Bruno-Stiftung, die ihn bereits 2011 in Frankfurt am Main für sein Engagement für Tierrechte auszeichnete.

Bei Auftritten Peter Singers kam es bislang immer wieder zu Protesten von behinderten Menschen, der Behindertenbewegung, der Frauenbewegung und Antifaschist*innen. Bereits in den 90er Jahren wurden mehrere Reden Singers durch Demonstrant*innen gestört oder verhindert.

Singer verknüpft seinen Einsatz für die „Euthanasie“ schwerbehinderter Neugeborener mit seinem Engagement für Tierrechte. Er unterscheidet zwischen „Personen“ und bloßen „Wesen“: „Personen“, wie Primaten oder erwachsene nichtbehinderte Menschen hätten ein Bewusstsein von sich selbst. Bloße „Wesen“ seien dagegen Menschen im Koma oder Neugeborene. Solche mit schweren „geistigen“ und körperlichen Beeinträchtigungen haben für Singer kein „Recht zu leben“ und deswegen sei ihre Tötung moralisch geboten:

„Die Tötung eines behinderten Säuglings ist nicht moralisch gleichbedeutend mit der Tötung einer Person. Sehr oft ist sie überhaupt kein Unrecht.“ (Singer, 2013[1])

„Michael Schmidt-Salomon, Vorsitzender der Giordano-Bruno-Stiftung, nannte Singer 2011 den ‚mitfühlendsten Denker unserer Zeit‘ und einen ‚Behindertenfreund‘. Das halten wir für blanken Zynismus. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr“, so Matthias Vernaldi, einer der Sprecher*innen des Aktionsbündnisses „Kein Forum für Peter Singer“.

„Wir haben nichts gegen Tierschutz, aber sehr wohl etwas dagegen, wenn behinderten Menschen das Recht auf Leben und andere fundamentale Menschenrechte abgesprochen werden“, ergänzt Swantje Köbsell, Professorin für Disability Studies an der Alice Salomon Hochschule.

[1] Peter Singer „Praktische Ethik. Dritte Auflage“ (2013), Stuttgart: Reclam, S. 300