Wer ist wer beim Peter Singer-Preis?

Programm der Preisverleihung des Peter-Singer-Preises 2015

  • Begrüßung und Moderation: Dr. phil. Melanie Joy
  • Kurzvortrag von Dr.med. Walter Neussel: Motivation zur Verleihung des Peter-Singer-Preises zur Tierleidminderung
  • Laudatio: Dr. phil. Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und Mitbegründer der Giordano-Bruno-Stiftung
  • Kurzvortrag von Stefan Bernhard Eck, Mitglied des Europäischen Parlaments: Politik der Werte und des Mitgefühls auf der Grundlage des Ethik-Konzeptes von Peter Singer
  • Preisverleihung an Peter Singer
  • Vortrag des Preisträgers: Effective Strategies to Reduce the Suffering of Animals (Synopsis von Leidminderungsstrategien zugunsten nichtmenschlicher Tiere unter Berücksichtigung rationaler utilitaristischer, tierrechtlicher, tugendethischer, sozialer und empathischer philosophischer Grundpositionen)

Die Satzung des „Förderverein des Peter-Singer-Preises für Strategien zur Tierleidvermeidung“ zeigt sehr deutlich, dass der einzige Zweck des Vereines die Preisverleihung ist. In den Vergaberichtlinien steht auch schon drin wer erwartbarerweise den Preis als nächstes bekommen soll: Peta vielleicht? Der Preisgründer Dr.med. Walter Neussel war Mitglied bei der Tierschutzpartei und wollte den Preis schon da ansiedeln. Dagegen gab es aber ethische Bedenken. Die Bedenken waren u. a. der Art, dass Singer ja gar kein Vegetarier sei und auch nicht komplett gegen Tierversuche. Als das mit dem Preis nicht geklappt hat, ist Neussel ausgetreten. Er hat aber auch noch mehr Ideen:

Durch korrumpierende Einflussnahme auf Politiker und Journalisten sichern multinationale Konzerne ihr amoralisches Treiben ab und erzwingen ein ständiges Wachstum des Bruttosozialproduktes, was am besten durch ständig steigende Bevölkerungszahlen erreicht wird. Somit wird das deletäre Bevölkerungswachstum, welches in unheiliger Allianz zwischen den Multis und verschiedenen Religionsgemeinschaften, die uneinsichtig auch noch in der heutigen Zeit ein „Seid fruchtbar und mehret Euch“ propagieren, in wenigen Jahrzehnten zum Kollaps geordneter Lebensbedingungen auf der Erde führen, wenn dem nicht Einhalt geboten werden kann.

Äh, whatever.

Auch Stefan Bernhard Eck ist ein interessanter Charakter: Ehemaliger Bundesvorsitzender der Tierschutzpartei und ihr Europaparlamentsabgeordneter, ist er aus der Partei ausgetreten, hat sein Mandat aber behalten > Jungle World. Er ist Mitglied der Fraktion der Vereinten Europäischen Linken, in der auch die Linkspartei ist. Eck hat 2006 eine „Mahnwache“ mit einem selbst gemalten Plakat auf dem Besucherparkplatz der KZ-Gedenkstätte Dachau abgehalten: „Für Tiere ist jeden Tag Dachau“ (Foto). Die Linkspartei scheint dies nicht weiter zu stören > Tagesspiegel. Die Laudatio hält Dr. phil. Michael Schmidt-Salomon, Vorsitzender der Giordano-Bruno-Stiftung und verantwortlich für die Vergabe des Ethik-Preises der gbs an Peter Singer 2011. Auch vor vier Jahren gab es Proteste gegen die Preisverleihung, die Schmidt-Salomon abgebügelt hat: „Missverständnisse“ hätten zu „Unverständnis oder gar Empörung“ geführt. Schmidt-Salomon behauptete 2011: „jedoch würden wir als humanistische Stiftung niemals einen Mann auszuzeichnen, der auch nur im Entferntesten „Hetze gegen Behinderte“ betreibt“. Wir können auch nur „jedem empfehlen, vermeintliche ‚Zitate‘, die aus Singers Büchern stammen sollen, kritisch zu überprüfen“ und dazu vor allem die überarbeitete und aktualisierte Ausgabe der „Praktischen Ethik“ zur Hand zu nehmen! Der Bioethik-Professor hat sich darin sehr große Mühe gegeben, deutlich zu sein.

Schmidt-Salomon hat in einem Gefälligkeits-Interview des Humanistischen Pressedienstes, für den er früher gearbeitet hat, behauptet, die Preisverleihung habe nichts mit der Giordano-Bruno-Stiftung zu tun. Eine kurze Recherche auf den Seiten der Stiftung fördert allerdings diese Chronologie zutage, die darauf schließen läßt, dass sich der Preisinitiator Neussel und Schmidt-Salomon nicht nur seit Jahren kennen, nicht nur politisch eng zusammenarbeiten, sondern auch gemeinsame Strategien ausarbeiten.

Zu den historischen und weltanschaulichen Hintergründen der gbs hat Micha Brumlik 2012 diesen ätzenden Kommentar geschrieben.

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