Protestnoten gegen Singer-Auftritt

„Urania Berlin e.V.

Sehr geehrter Herr Dr. Bleyer,

am Dienstag, den 26. Mai, soll in Ihren Räumlichkeiten der weltweit als Apologet der Tötung behinderter Menschen bekannte Dr. Peter Singer einen Preis verliehen bekommen. Wir sind empört und entsetzt, dass Sie sich dafür zur Verfügung stellen.

Wir sind ein Verein, der seit mehr als drei Jahrzehnten persönliche Assistenz für behinderte Menschen anbietet, eine Form der Hilfe, die auch Menschen mit hohem Hilfebedarf ermöglicht, ein Leben außerhalb einer Einrichtung zu führen und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Dr. Singer hat sich im hessischen Rundfunk 2009 explizit auch zu dieser Form der Hilfe geäußert – nämlich, dass sie zu viel Geld koste, welches zum Beispiel notleidende Menschen in der Dritten Welt dringender bräuchten. Eine solche Haltung, die die Schwachen zueinander in Konkurrenz setzt, anstatt darauf zu sehen, welchen Beitrag hier die Privilegierten und Starken leisten müssen, ist in brutalster Weise sozialdarwinistisch und verlässt den Boden eines humanen und solidarischen Miteinanders. Singers vermeintliches Engagement für mehr Rechte von Tieren erfolgt auf der Basis einer Theorie, die einerseits manche Tiere zu Personen erklärt, gleichzeitig aber das Lebensrecht von Menschen zur Disposition stellt, wenn sie nach den Kriterien Singers keine Person sind, weil sie z.B. kein Bewußtsein von sich selbst haben. Beides ist in Singers Präferenzutilitarismus allerdings nicht voneinander zu trennen. Mitleid für Tiere in welcher Form auch immer darf nicht auf Kosten von Menschenleben gehen. Unser Lebensrecht ist nicht diskutierbar.“
Wir fordern Sie auf, diese Veranstaltung abzusagen.
Uta Wehde, Geschäftsführung
Ursula Aurien für den Vorstand
Verein ambulante dienste e. V.

Piratenfraktion Berlin, 22.5.15: Keine Stimme für Peter Singer – Lebensverachtenden Aussagen entgegentreten „Es ist unerträglich, dass den lebensverachtenden Aussagen Singers in Berlin eine Bühne geboten wird. Eine Differenzierung zwischen ‚echtem‘ und unwertem Leben ist vollkommen indiskutabel.“

Corinna Rüffer, Grüne MdB, 20.5.15: Kein Preis an Peter Singer! „Singer hat in seinen Büchern und Interviews immer wieder das Lebensrecht behinderter Kinder in Frage gestellt. Er plädiert u.a. dafür, die Tötung schwerbehinderter Neugeborener unter bestimmten Bedingungen zu erlauben und behinderten Säuglingen Leistungen des öffentlichen Gesundheitssystems zu entziehen. Wer solche Positionen vertritt hat – bei allen Verdiensten um Tierschutz und Minderung von Tierleid – Protest verdient, keine Preise.“

 

Katrin Werner, Linkspartei, MdB,18.05.2015: Kein Platz für Behindertenfeindlichkeit „Was wir in Deutschland brauchen ist eine Debatte, wie wir eine inklusive Gesellschaft herstellen können. Wir brauchen eine Debatte darüber, wie alle Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Wir müssen die Barrieren, die Menschen mit Behinderungen an einer gleichberechtigten Teilhabe hindern, abbauen. Das gehört in den Mittelpunkt unserer gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Peter Singer ist entgegen vieler Behauptungen nie von seinen Ansichten abgerückt. Die Berliner Urania sollte daher ihre Räumlichkeiten für diese Veranstaltung nicht zur Verfügung stellen.“

 

Wi(e)der Peter Singer! Stellungnahme der über die Bundesfachschaftentagung ›Generation Inklusion‹ verbundenen Studierendenvertretungen, 13.05.15 „Hier wird eine biologistische Weltanschauung Singers deutlich, die sich einerseits in einem Verständnis von Lebensqualität als quantifizierbar und gegeneinander abwägbar ausdrückt, und zum anderen im naturalistischen Dogma einer angenommenen Bildungsunfähigkeit (schwer) beeinträchtigter Menschen.“

 

ISL: Die Grüße der Ungewollten, anlässlich der Verleihung des Ethik-Preises der Giordano-Bruno-Stiftung an Peter Singer 2011
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