Zu Michael Schmidt-Salomon und der Giordano-Bruno-Stiftung

Uns erreichte ein Brief mit Bitte um Veröffentlichung:

Neues und Altes vom Herrn Schmidt-Salomon: Aus der Welt des Vorstandssprechers der Giordano-Bruno-Stiftung

Michael Schmidt-Salomon war kürzlich im sonnigen Griechenland, um sein neues Buch zu vermarkten und damit ein paar Griech_innen die letzten Euros aus der Tasche zu ziehen. Kaum zurückgekehrt, poltert er gegenüber dem sogenannten Humanistischen Pressedienst über die Gemeinheiten der Linken. Dass Linke und Behinderte sein Idol Peter Singer kritisieren und gegen dessen öffentlichen Auftritt protestieren, „schockiert“ und „beschämt“ diesen rechtschaffenen Propheten des „evolutionären Humanismus“… Er versteht die Welt nicht mehr, aber wir helfen gern.

Nicht lustig: Michael Schmidt-Salomon schreibt Bücher und hat für einen Pressedienst gearbeitet. Trotzdem bereitet ihm verstehendes Lesen offensichtlich ernsthafte Schwierigkeiten. Anders ist es nicht zu erklären, warum er nicht wahrhaben will, dass sein Idol ausdrücklich für „Euthanasie“ und für die Tötung Behinderter plädiert, obwohl dies leicht in unzweideutig geschriebenen Formulierungen Singers nachzulesen wäre. Schmidt-Salomon ringt ernsthaft um seinen Personenstatus, zu dem, wie wir dank Singer wissen, „Reflexionsfähigkeit“ gehört. Seit Jahren wiederholt der Handlungsreisende in Sachen Singer dasselbe, ohne neue Informationen aufnehmen zu können.

Doch lustig: Sie lesen einen Blog, dessen Adresse no218nofundis lautet. Wie man unschwer erkennen kann, wenn man sich die Mühe macht, die Seitenspalte und die Einträge zu lesen, ist das ein feministischer Blog gegen „Lebensschützer“ und Abtreibungsverbot. Herr Schmidt-Salomon behauptet, die Linken, die gegen Singer protestieren, seien „auf die Propaganda christlich-fundamentalistischer ‚Lebensschützer‘ hereingefallen“ und hätten „sich vor den Karren extrem rechter Interessengruppen spannen lassen“ – und das seit Jahrzehnten!

Herr Schmidt-Salomon meint, einem Riesenskandal auf der Spur zu sein: Nicht nur die leicht beeinflussbaren Behinderten, sondern sogar die Linken sind von den „Lenbensschützern“ beeinflusst! Unglaublich! Tja, wahrscheinlich ist es so unglaublich, weil es ausgemachter Mist ist. Sowohl Behinderte als auch Linke (und behinderte Linke und linke Behinderte) nehmen Singers Werke zur Kenntnis und bilden sich selbst ein Urteil. Dass dieses Urteil anders ausfällt, als das von Schmidt-Salomon und seinen Jünger_innen mag daran liegen, dass sie gründlicher gelesen haben.

Die immer wieder geäußerte Behauptung, vor allem „Lebenschützer“ würden Singer kritisieren, soll nur die Kritik diskreditieren. Nur weil Hubert Hüppe, in der Tat ein bekennender „Lebensschützer“, auch gegen Singer ist, heißt das ja nicht, dass alle anderen seine Meinung übernommen haben. Vielleicht ist Hüppe ja von den Behinderten manipuliert worden? Als ehemaliger Behindertenbeauftragter der Bundesregierung war er ihnen oft ausgesetzt…

Fun-Fact: Herr Schmidt-Salomon behauptet, dass die von „Peter Singer vorgenommene Unterscheidung zwischen menschlichen Personen und nicht-personalem menschlichen Leben notwendig ist, um die Straffreiheit des Schwangerschaftsabbruchs zu legitimieren.“

Auch hier machen unserem Propheten, ähh, Philosophen seine Wissenslücken offensichtlich schwer zu schaffen. Aber, wie gesagt, wir helfen gern. Man kann davon ausgehen, dass es einen Unterschied macht, ob wir von einem Fötus in einem anderen Körper oder von einem geborenen Baby sprechen. Wir geben zu, das ist nicht einfach zu begreifen für Herrn Schmidt-Salomon: Einen Unterschied zu machen zwischen einem geborenen Menschen, den man nicht töten darf, und einem ungeborenen Menschen, dessen Leben mit dem der Schwangeren verbunden ist. (Lasst uns jetzt bitte nicht über Spätabbrüche diskutieren, oder wenn: selbst wenn der Fötus schon lebensfähig sein sollte, steckt er immer noch im Körper der Frau, ergo: ihre Entscheidung.) Feministinnen haben sich schon immer auf die Geburt als definitive Grenze bezogen. Das mag manchem Philosophen, die lieber über die „wertende Unterscheidung zwischen den personalen Interessen der Mutter und den nichtpersonalen Interessen des Embryos bzw. Fötus“ nachdenken, etwas platt erscheinen, funktioniert aber sehr gut, es macht einen überhaupt nicht gemein mit „Lebensschützern“ – denen im allgemeinen bei der Lektüre dieses Blogs die Haare zu Berge stehen dürften! Singer und sein gläubiger Anhang finden diese Grenze willkürlich und wollen sie gern weiter hinausschieben. Singer macht auch gar keinen Hehl aus seinem Motiv. Er möchte Eltern und Ärzten die Gelegenheit geben, sich für das Umbringen der Babys zu entscheiden, deren Behinderung man bei der Pränataldiagnostik nicht entdeckt hat oder entdecken konnte… Und man kann durchaus gegen das Abtreibungsverbot sein und trotzdem selektive Abbrüche angesichts des „falschen Geschlechts“ oder des „falschen Körpers“ für ein ernstes Problem halten.

Wir haben uns ja sehr bemüht, Herrn Schmidt-Salomon angesichts seiner mangelnden Reflexion in seinem Ringen um den Personenstatus zu unterstützen, aber vor so viel Elend müssen wir doch die Hände überm Kopf zusammenschlagen: Leute, die es für inkonsistent halten, für das Recht auf Abtreibung, aber gegen PID und PND zu sein, und die zugleich Peter Singer mit seinen Totschlag-Argumenten in heiligem Eifer zum „mitfühlendsten Denker unserer Zeit“ ausrufen, diese Leute sind mit Argumenten offensichtlich nicht erreichbar.