Jetzt erst recht: 2. PM des Bündnis

Zweite Pressemitteilung, 25.5.2015
Kein Forum für den „Euthanasie“-Befürworter Peter Singer!

Zur Protestkundgebung gegen die Verleihung eines Preises an Peter Singer
Dienstag, 26.5.2015, ab 17.00 Uhr, Urania Berlin

Aufforderungen an die Urania, die Preisverleihung in ihren Räumen abzusagen

Peter Singer vertritt menschenverachtende Positionen; er wertet Menschen ab, um Tiere aufzuwerten und fordert die Legalisierung der Tötung behinderter Menschen. Die Urania wurde von verschiedenen Seiten aufgefordert, die Veranstaltung in ihren Räumen abzusagen. In diesem Sinne haben der Verein „ambulante Dienste“ e.V., die Studierendenvertretungen der Bundesfachschaftentagung „Generation Inklusion“, die behindertenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken, Katrin Werner, und andere Personen und Organisationen Stellung bezogen (hier und hier). Die Urania ist diesen Aufforderungen bisher nicht nachgekommen. Die durch öffentliche Institutionen und private Unternehmen geförderte Einrichtung, die sich der Vermittlung „wissenschaftlicher Bildung“ verschrieben hat, gibt Peter Singer und seinen Positionen offenbar bewusst ein Forum.

Die Grenze der Redefreiheit

Unser Aktionsbündnis setzt seinen Protest fort, weil das Lebensrecht Behinderter nicht öffentlich in Frage gestellt werden darf. Peter Singer und seine Anhänger_innen meinen, durch den Protest und die Forderung, die Veranstaltung abzusagen, werde die Redefreiheit verletzt. Doch Redefreiheit muss ihre Grenze haben, wenn Redner Positionen vertreten, mit denen die Tötung von Menschen gerechtfertigt oder verlangt wird.

Das Aktionsbündnis lehnt die Einladung der Urania zu einer Stellungnahme bei der Preisverleihung ab, um dieser Veranstaltung nicht den Anschein von Legitimität zu verleihen.

Eine Leugnung der Vorwürfe ist nicht haltbar

Einer der Laudatoren, Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, reagiert völlig unangemessen auf die öffentliche Kritik, indem er schlicht leugnet, dass Singer für die Legalisierung von „Euthanasie“ eintritt. Dabei sind diese Positionen unzweideutig in Singers Werken nachzulesen. Auf seiner Homepage hat das Aktionsbündnis zahlreiche Belege gesammelt.

Gegen „Euthanasie“-Befürworter und „Lebensschützer“

Schmidt-Salomon und andere Anhänger_innen Singers versuchen, den Protest zu diskreditieren, indem sie ihn in die Nähe christlich-fundamentalistischer „Lebensschützer“ rücken. Das Aktionsbündnis grenzt sich jedoch eindeutig von den „Lebensschützern“ ab und verteidigt insbesondere das Recht von nichtbehinderten und behinderten Frauen auf Schwangerschaftsabbruch. In unserem Aktionsbündnis sind Feministinnen ebenso vertreten wie Aktivist_innen der Behindertenbewegung. Bereits in den 1990er Jahren haben Gruppen aus der Behindertenbewegung, dem Feminismus, der Linken, der „Euthanasie“-Geschädigten und Zwangssterilisierten sowohl gegen öffentliche Auftritte Peter Singers als auch gegen die Umtriebe von „Lebensschützern“ demonstriert.

Weitere Proteste

Gegen einen Auftritt Singers in Köln am 31.5.2015 rufen Personen und Institutionen vor Ort zum Protest auf. Anlässlich von Aussagen zur „Euthanasie“ in einem Radiointerview fordert die US-Bürgerrechtsorganisation „Not Dead Yet“ die Entlassung Singers als Professor der Universität Princeton.

Peter Singer und der Zeitgeist: Das herrschende Nützlichkeitsdenken

Singer verbrämt seine utilitaristische Philosophie zum Ausdruck von „Mitgefühl“ und größtmöglichem „Glück“. Dass sie heute wieder öffentlich diskutiert werden soll, halten wir für symptomatisch. Die Popularität und Anschlussfähigkeit seiner Thesen kann nicht nur auf die Aktivitäten Singers zurückgeführt, sondern muss vor einem gesellschaftlichen Hintergrund problematisiert werden. Obwohl allerorten viel von „Inklusion“ die Rede ist, herrscht ein gesellschaftlicher Trend vor, Menschen nach ihrem „Wert“, ihrer „Nützlichkeit“ und nach ihrer Fähigkeit zur „Selbstoptimierung“ zu beurteilen. Wer diesen Kriterien nicht zu genügen scheint, wird als zu beseitigendes Problem wahrgenommen. Dieser Trend zeigt sich unter anderem auch in den aktuellen Debatten zur Liberalisierung von ärztlicher „Sterbehilfe“ – auch im Zusammenhang mit lang andauernder Pflegebedürftigkeit als angeblicher „Last“ für die Gesellschaft. Auch hier soll vermeintliches Leid um jeden Preis, und sei es den des eigenen Lebens, gemindert werden.

Singers philosophische Grundlage, die Unterscheidung zwischen „Personen“, die auch Tiere sein können und „Wesen“, die auch Menschen sein können, ist nicht diskussionswürdig und erst recht keinen Preis wert! Singer hält es für möglich, von außen zu entscheiden, „ob ein Leben besser oder schlechter ist“. Er bezeichnet ein Leben mit Trisomie 21 („Down-Syndrom“) als „weniger lebenswert“, wenn die Eltern „leiden“ und wenn sie „Erwartungen hatten, die sich nicht erfüllen [….]“ (Neue Züricher Zeitung, 24.5.2015). Eine Einteilung von „lebenswertem“ und „nicht lebenswertem“ Leben anhand externer, vermeintlich objektiver Kriterien ist menschenverachtend und in letzter Konsequenz behindertenfeindlich!

Deshalb fordern wir weiterhin: Kein Forum für den „Euthanasie“-Befürworter Peter Singer!

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