Neuigkeit 1: Schmidt-Salomon sagt Laudatio ab

Der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, hat seine Beteiligung am Festakt zur Verleihung eines Tierrechtspreises an den „Euthanasie“-Befürworter Peter Singer abgesagt. Eigentlich wollte er die Laudatio halten und hatte Singer in den letzten Tagen wiederholt gegen Kritik in Schutz genommen: Alle die grundsätzliche Kritik an Singer übten, seien „auf die Propaganda christlich-fundamentalistischer ‚Lebensschützer‘ hereingefallen und [hätten] sich vor den Karren extrem rechter Interessengruppen spannen lassen“.

Jetzt hat Schmidt-Salomon angeblich wegen Singers Aussagen in der NZZ von Sonntag eine Kehrtwende vollzogen und behauptet nun Singer habe seine Position geändert. Teilweise gibt er nun zu, was die Kritiker seit Jahrzehnten problematisieren. Die erhitzte Debatte auf facebook zeugt davon, dass auch die Fans von Schmidt-Salomon diesen Wandel als etwas abrupt empfinden: fadenscheinige Begründung, Versuch ein unausweichliches PR-Desaster abzuwenden, taktisch usw. usf. Wir können der GBS und ihren Ablegern nur wünschen, dass diese Vorgänge produktive interne Debatten auslösen.

Auf ein Detail müssen wir aber noch kurz eingehen: Michael Schmidt-Salomon zeigt sich besonders schockiert von dieser Aussage: Auf den Einwand der Interviewerin Nina Streeck, durch eine weitere Verbreitung der Sterbehilfe „könnte Druck auf alte Menschen entstehen, sich selbst das Leben zu nehmen“, antwortete Singer: „Das kann passieren. Empfindet sich jemand als Belastung für seine Familie, ist es nicht unbedingt unvernünftig, dass er sein Leben beendet. Wenn seine Lebensqualität eher schlecht ist und er sieht, wie seine Tochter viel Zeit aufwendet, um sich um ihn zu kümmern, und dabei ihre Karriere vernachlässigt, dann ist es vernünftig, ihr nicht weiter zur Last fallen zu wollen.“ Michael Schmidt_Salomon stellt daraufhin „klar“, es gebe „in keiner Gesellschaft, die Sterbehilfe legitimiert hat, einen erhöhten Druck auf alte Menschen, sich selbst zu töten.“

Das ist offensichtlich nicht wahr. Wir empfehlen dazu die Lektüre von Gerbert van Loenen, der sich intensiv damit beschäftigt hat, welche Unterschiede die Legalisierung der Sterbehilfe in den Niederlanden macht: „Die Niederlande haben sich zutiefst geändert seitdem die aktive Sterbehilfe und die Beihilfe zur Selbsttötung legalisiert worden sind. Die Art und Weise wie man Leid umgeht, und, wichtiger noch, die Art und Weise wie man mit leidenden Menschen umgeht, sind nicht mehr wie sie waren.“ mehr

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