PID wird in der Schweiz zugelassen

Bei einer Volksabstimmung am 14. Juni zur Umformulierung der Verfassung, um die Testung von Embryonen zu ermöglichen, haben 61,9 Prozent der schweizer Stimmberechtigetn Ja zur Verfassungsänderung gesagt. Eine ausführliche Erläuterung des Gesetzesprozesses und der damit verbundenen Probleme findet sich hier:

„Zunächst geht es um einen Satz in der Bundesverfassung, genauer um den Artikel 119 BV. Dort sind die Bedingungen festgelegt, unter denen eine menschliche Eizelle ausserhalb des Körpers der Frau – in vitro, im Reagenzglas – befruchtet und somit ein Embryo erzeugt werden darf. Bis jetzt durften nur so viele Embryonen entwickelt werden, wie unmittelbar eingepflanzt werden können. Neu sollen so viele entwickelt werden können, «wie es die vorgesehene Behandlung erfordert». Erst diese Umformulierung des Artikels 119 BV ermöglicht überhaupt die PID – weil sie ja nur Sinn gibt, wenn auch Embryonen vor der Einpflanzung ausgeschieden werden können, also mehr Embryonen erzeugt als dann schliesslich eingepflanzt werden. PID war bisher schon aufgrund dieses Verfassungsartikels ausgeschlossen.

Es wird am 14. Juni also darüber – und nur darüber – abgestimmt, ob die PID grundsätzlich und auf Verfassungsebene ermöglicht werden soll oder nicht. Unter welchen Bedingungen die Präimplantationsdiagnostik – nach einem allfälligen Ja zur Verfassungsänderung – durchgeführt werden darf, regelt das ebenfalls überarbeitete Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG), über das allerdings erst in einem nächsten Schritt abgestimmt werden kann, vorausgesetzt das Referendum dagegen kommt zustande.

Und das Referendum ist bereits angekündet. Denn das FMedG öffnet die Tür Richtung PID deutlich weiter, als vom Bundesrat ursprünglich vorgeschlagen. Neben der Untersuchung der Embryonen auf schwerwiegende vererbbare Krankheiten (Vorschlag Bundesrat) – um es Eltern mit der Anlage zu solchen Krankheiten zu ermöglichen, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen – sieht das überarbeitete Gesetz vor, dass die Embryonen auch auf Chromosomenanomalien geprüft werden können. Damit können gewisse Krankheiten und Behinderungen, zum Beispiel Trisomie 21, das Down-Syndrom, erkannt und verhindert werden. Diese Erweiterung der Diagnosemöglichkeiten hat das Parlament ins FMedG eingefügt.

Hier nun setzen die Bedenken vieler Behindertenorganisationen ein. Gewisse Behinderungsarten könnten in Zukunft als vermeidbar gelten, weil sie noch vor der Einsetzung des Embryos in den Uterus der Mutter erkannt werden können. Und in der Folge könnte Druck ausgeübt werden, solche Kinder – die ja heute schon im Mutterbauch mittels Pränataldiagnostik erkannt werden können – nicht zur Welt kommen zu lassen, zum Beispiel indem bei ihnen – ganz im Sinne des Verursacherprinzips – der Krankenversicherungsschutz eingeschränkt wird.

… Der wirtschaftliche Faktor wird in der Diskussion gemeinhin unterschätzt. Es besteht seitens der spezialisierten Kliniken ein handfestes Interesse, den Personenkreis, der für eine PID in Frage kommt, möglichst weit zu fassen. Nicht ausgeschlossen, dass ihr Lobbying im Parlament entscheidend war. Der restriktivere Vorschlag des Bundesrates hätte fünfzig bis hundert Paaren pro Jahr ermöglicht, trotz ihrer erblichen Belastung dank PID ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Der durch das Parlament erweiterte Rahmen entspricht dem Bedürfnis von schätzungsweise 6’000 Paaren pro Jahr. Bei durchschnittlichen Kosten von 15’000 Franken pro Behandlungszyklus (5’000.– für die In-vitro-Fertilisation [IVF] und 10’000.– für die PID) kann man selber ausrechnen, wie handfest die Interessen der IVF-Kliniken sind. Kein Wunder, kommt da Goldgräberstimmung auf!“

Wie das weitere Verfahren aussehen wird, wird hier beantwortet.

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