Bluttest auf Trisomie 21: Vor der Einführung in die Regelversorgung?

Der Gen-ethischer Informationsdienst berichtet über die Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Abgeordneten aller Fraktionen (ungewöhnlich!) zur geplanten Einführung des Bluttestes auf fötale Trisomie 21 in die Regelversorgung der Krankenkassen:

Das klingt, als würde die Übernahme pränataler Bluttests in die von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlte Regelversorgung auf eine kleine Gruppe beschränkt. Das allerdings ist kaum anzunehmen. Denn alle Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass sich Grenzziehungen entlang von Risiken schnell ausweiten: So galten 2013 beispielsweise 76,3 Prozent der rund 500.000 untersuchten Frauen als „Risikoschwangere“; bereits heute genügt eine „Angstindikation“, und das pränatale Untersuchungsprogramm wird angeworfen.

Verunsicherung als Geschäftsgrundlage

Auch wenn die neuen Testverfahren also die Fruchtwasseruntersuchung nicht ersetzen – in der öffentlichen Wahrnehmung etablieren sie sich immer mehr als „sanfte Alternative“ zum herkömmlichen pränataldiagnostischen Programm, und das nicht nur hierzulande. Auch in der Schweiz beispielsweise hat die Lifecodexx AG im vergangenen Jahr bei der obligatorischen Krankenversicherung eine Zulassung des Verfahrens beantragt. Noch ist darüber nicht entschieden, aber der Kassenverband Santésuisse hat sich bereits dafür ausgesprochen, und eine erste private Zusatzversicherung hat kürzlich angekündigt, die Kosten für den Bluttest – je nach Art der Versicherungspolice – ganz beziehungsweise teilweise zu übernehmen. Zur Begründung führt das Krankenversicherungsunternehmen dieselbe Argumentation ins Feld, die auch den deutschen G-BA veranlasste, das derzeit laufende Verfahren einzuleiten: Dank der Bluttests könne die Zahl der invasiven Untersuchungen während der Schwangerschaft reduziert werden.

Eine Begründung, die aus der Logik der Pränataldiagnostik nahezu zwingend folgt. So zieht eine „schädliche Praxis“ die nächste nach sich, weil die grundsätzliche Frage – wie auch die Antwort der Bundesregierung zeigt – kontinuierlich dethematisiert wird: Wozu ist es überhaupt notwendig, gewollt Schwangere mit Aussagen über mögliche Beeinträchtigungen des Fötus zu konfrontieren? Auf die Tatsache, dass das ETS sehr häufig falsch-positive Ergebnisse liefert, ließe sich ja auch mit dessen Abschaffung reagieren, damit würde die Zahl der Fruchtwasseruntersuchungen vermutlich stärker reduziert werden als durch die Bluttests. Aber das ist unrealistisch, ist die Kontrolle des Fötus doch längst selbstverständlich geworden. Von jeher bildet Verunsicherung die Geschäftsgrundlage pränataler Diagnostik, und Jahrzehnte pränataldiagnostischer „Angebote“ normalisieren die Angst vor einem behinderten Kind immer mehr zu einer Begleiterscheinung von Schwangerschaft.

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