Neues Buch: Selbstbestimmte Norm. Feminismus, Pränataldiagnostik, Abtreibung

Pünktlich vor dem diesjährigen Berliner „Marsch für das Leben“ gibt es eine interessante Neuerscheinung: Kirsten Achtelik: Selbstbestimmte Norm.
Feminismus, Pränataldiagnostik, Abtreibung

Broschur, 224 Seiten, 18,00 €, ISBN: 9783957321206, Verbrecher Verlag

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am 14.09.2015 wird es eine BUCHPREMIERE geben um 20.00 Uhr im Café Morgenrot in Kooperation mit dem Buchladen zur Schwankenden Weltkugel
Veranstaltungsort: Kastanienallee 85, 10435 Berlin
Eintritt frei!
Das Café ist berollbar!

Ankündigungstext

Ist wirklich alles in Ordnung, wenn bei der pränatalen Untersuchung keine Auffälligkeiten gefunden werden? Und was wenn doch? Als Feministin für ein Recht auf Abtreibung einzutreten, bedeutet nicht zwangsläufig, die hier entstehende Entscheidungssituation als Selbstbestimmung wahrnehmen zu müssen.

Kirsten Achtelik lotet in ihrem Buch das Spannungsfeld zwischen den emanzipatorischen und systemerhaltenden Potenzialen des feministischen Konzepts „Selbstbestimmung“ in Bezug auf Abtreibung aus. So mischt sie sich in die aktuellen feministischen Debatten um reproduktive Rechte ein, die mit den zunehmenden Aktivitäten und Demonstrationen von „Lebensschützern“ wieder aufgeflammt sind.
Zugleich ist es ihr Anliegen, einer neuen Generation von Aktivistinnen und Aktivisten die Gemeinsamkeiten und Konflikte der Frauen- und Behindertenbewegung sowie die inhaltlichen Differenzen zwischen Frauen mit und ohne Behinderung verständlich zu machen.
Vor allem aber stellt sich Achtelik der dringend zu klärenden Frage, wie ein nicht selektives und nicht individualisiertes Konzept von Selbstbestimmung gedacht und umgesetzt werden kann.

Kirsten Achtelik, geboren 1978, ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin und lebt als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Sie ist politisch an den Schnittstellen der feministischen, antikapitalistischen und Behindertenbewegung aktiv.

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

FÜR DIE ABSCHAFFUNG DES § 218
Feministische Kämpfe der 1970er-Jahre
Aktion 218 — Die Entwicklung der Selbstbestimmungsforderung — Aktion Letzter Versuch — Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes — Nach der Reform

EUGENISCHE INDIKATION
(K)ein Thema für die Frauenbewegung?
Ablehnung von Fristen- und Indikationsregelungen — »Solchen Schäden vorbeugen«: Brot und Rosen

VORGEBURTLICHE UNTERSUCHUNGEN
Technische, medizinische und gesetzliche Grundlagen
Die Diagnosespirale — Die Etablierung von PND in der BRD — Neue Regelungen nach 1990 — Neueste rechtliche Regelungen, PID und PraenaTest

EUGENIK
Ein Rückblick auf theoretische Debatten und praktische Umsetzungen
Anfänge: Eugenisches Denken — Frauenrechtliche und linke eugenische Strömungen — Umsetzung: Eugenische Praxisvorschläge — Eugenik und »Euthanasie« im Nationalsozialismus

DIE KRÜPPELBEWEGUNG
Behindertenpolitische Kämpfe der 1980er-Jahre
Der Beginn einer Bewegung — Krüppelfrauen organisieren sich — Behindertenpolitische Kritik am §218 — Auseinandersetzung mit Eugenik- und »Euthanasie«-Programmen — Gegen humangenetische Beratungsstellen

KONGRESSE GEGEN GEN- UND REPRODUKTIONSTECHNIKEN
Feministischer Widerstand in den 1980er-Jahren
Drei innerfeministische Kritikstränge — Debatten über Selbstbestimmung

ZUSAMMEN ODER GEGENEINANDER
Feminist*innen und Krüppelbewegungs-Aktivist*innen in den 1990er-Jahren
Eine Kritik der Singer’schen Ethik — Proteste gegen Peter Singer in Deutschland — Konflikte zwischen und innerhalb von Frauen*- und Behinderten­bewegung

PRÄVENTION, KONTROLLE, ABLEISM
Konzeptionelle Überlegungen
Zwischen Unterdrückung und Selbstverantwortung — Individuum und Gesellschaft — Schwangerschaft und Körperbilder — Behindertenfeindlichkeit und Ableism — PND als Verstärker negativer Einstellungen gegenüber Behinderten — Beratung – Entscheidungshilfe oder Individualisierung?

DIE »LEBENSSCHÜTZER«
In vielfacher Hinsicht problematisch»
Lebensschutz«-Positionierungen in biopolitischen Fragen — Positionierungen in den Gegenmobilisierungen

FEMINISTISCHE KONTROVERSEN
Widerstände gegen Kritik
»Wer die Forderung nach Selbstbestimmung kritisiert, rüttelt am feministischen Grundkonsens.« — »Abtreibungsgründe zu thematisieren, stellt die Entscheidungsfähigkeit von Frauen infrage.« — »Wer PND und selektive Abtreibungen Eugenik nennt, setzt Frauen* mit Nazi-Mördern gleich.« — »PND-Kritiker*innen sind technikfeindlich.« — »Durch PND kann frau sich auf das behinderte Kind besser vorbereiten.« — »PND und PID sind Notmaßnahmen in einer behindertenfeindlichen Gesellschaft.« — »Einige Behinderungen sind doch tatsächlich unzumutbar und schrecklich.«

SELBSTBESTIMMUNG OHNE SELEKTION
Vorschläge
Neugestaltung der Beratung — Selektive PND darf keine Kassenleistung sein — Für eine wirklich inklusive Gesellschaft — Streichung des §218 — Schwangerenversorgung entmedikalisieren — Abtreibung und PND als Querschnittsthemen unterrichten — Die »Lebensschützer« aufhalten — Forschungsförderung stoppen — Feminismus: wie weiter? — Zusammen­arbeit statt Lippenbekenntnisse — Selbstbestimmung? Ja, aber …

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