USA: Neue Spätabtreibungsmöglichkeit

Dr. Leroy Carhart hat angekündigt, in Kürze in seiner Klinik in Bellevue, Nebraska Spätabtreibungen durchzuführen. Nachdem Ende Mai Dr. George Tiller vermutlich von einem militanten Abtreibungsgegner erschossen worden war und seine Klinik daraufhin geschlossen wurde, gab es nur noch zwei us-amerikanische Kliniken, die Abtreibungen nach der 23. Woche durchführten. Carhart hat früher in Tillers Klinik gearbeitet. Der Mord an dem Kollegen habe ihn zu dieser Entscheidung bewogen.

Als ersten Schritt will er späte Abtreibung anbieten, wenn der Fötus erwiesenermaßen nicht lebensfähig ist. Doch mit den flexiblen Gesetzen in Nebraska zieht er auch weitergehende Möglichkeiten in Erwägung.

Der Staatsanwalt in Nebraska reagierte nicht erfreut und bezeichnete Carhart als „sick individual“. Die miltante ‚Lebensschützer‘-Organisation Operation Rescue hat angekündigt, Anzeige gegen den Arzt zu stellen.

Abtreibungsgegner_innen feiern Mord an Arzt – Feministinnen rufen zur Solidarität auf

Nach dem Mord an dem bekannten Abtreibungsarzt Dr. George Tiller Ende Mai,
haben zwar einige Abtreibungsgegner solche Methoden zurückgewiesen, andere
freuen sich aber offensichtlich:
In Ohio fährt ein LKW mit den typischen Bildern blutiger Föten herum. Daneben ist ein großes Foto des Ermordeten mit einem Einschussloch im Kopf zu sehen. Bevorzugtes Ziel dieses Propaganda-LKWs sind Abtreibungskliniken.
In Nord Carolina wurde der Besitzer einer Abtreibungsklinik mit „Du bist der Nächste“-Rufen empfangen. Im Internet wird ein T-Shirt verkauft, auf dem ein Arzt zu sehen ist, der Abtreibungen vornimmt. Die Aufschrift ist: „Sie sind der Nächste, Dr. Hern.“ Auf der Web-Seite der Army of God, einer extremen Anti-Abtreibungsorganisation wird der mutmaßliche Todesschütze, Scott Roeder als amerikanischer Held verehrt.

Das us-amerikanische feministische Magazin Ms. erinnert daran, dass Frauen, die Spätabbrüche durchführen lassen, sich meist in einer verzweifelten Situation befinden. Nach der Schließung von Tillers Klinik gibt es nur noch zwei Einrichtungen in den USA, die Abtreibungen dieser Art durchführen.

Ms. ruft zu Solidaritätsbekundungen und Spenden auf, um us-amerikanische Abtreibungseinrichtungen zu unterstützen.

Außerdem wurde eine Homepage eingerichtet, um auf die unverzichtbare Arbeit hinzuweisen, die Abtreibungsärzte leisten.

Katholische Kirche schlägt wieder zu

Die bayerischen Bischöfe haben letzte Woche erklärt, ein gleichzeitiges Engagement bei der Schwangerenkonfliktberatung „Donum Vitae“ und in katholischen Laien-Gremien sei unvereinbar.

Der Verein Donum Vitae zur „Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens“ wurde im September 1999 gegründet, nachdem der letzte Papst den katholischen Verbänden Caritas und SKM die Ausstellung der Bescheinigung einer Schwangerschaftskonfliktberatung untersagt hatte, die Voraussetzung für eine Abtreibung ist. Die Mitarbeit in diesem Verein sei nicht vereinbar mit katholischen Grundüberzeugungen, war die Begründung.

Eine mag von Schwangerschaftskonfliktberatung durch Katholik_innen halten was sie will, immerhin stellen sie die leider in Deutschland erforderlichen Beratungsscheine aus.

Holocausleugnung scheint mit katholischen Grundüberzeugungen besser vereinbar zu sein…

Erfolg für Abtreibungsgegner_innen: Klinik schließt

Der Gynäkologe Dr. George Tiller, wurde am 31. Mai, in Wichita, Kansas erschossen. Seine Klinik war eine unter nur dreien, die in den gesamten USA Abtreibungen nach der 23. Woche durchführten. Festgenommen für diesen Mord wurde ein fundamentalischer Abtreibungsgegner, Scott Roeder. Dieser kündigte gegenüber der Presse an, dass mehr ähnliche Taten in Vorbereitung seien.

Die Familie des Arztes kündigte diese Woche an, dass die Klinik nicht wieder geöffnet würde. Wichita war seit Jahrzehnten ein Kampfplatz zwischen Frauenrechtsaktivist_innen und Abtreibungsgegnern. Bereits 1994 wurde Dr. Tiller in beide Arme geschossen, die Klinik wurde mehrfach verwüstet, zuletzt im Mai diesen Jahres. Die militante Abtreibungsgegner-Organisation Operation Rescue hatte Anfang der 1990er Jahre eine großangelegte Kampagne gegen die Klinik durchgeführt und sie mit zehntausenden Anhänger_innen blockiert.