12.06. Proteste gegen „Lebensschützer“ im Erzgebirge

Mehr Infos in Kürze hier.

Das Bündnis hat angekündigt, in der Mobi für dieses Jahr weiter darüber diskutieren zu wollen, „wie denn die feministischen Alternativen zum diskriminierenden Normalzustand [in Hinblick auf pränatale Diagnostik und Ableism] aussehen – und wie wir diese zusammen umsetzen können“.

Die Redebeiträge von letzen Jahr sind in der Hinsicht auch interessant, darunter einer von der Autorin Kirsten Achtelik zu der Frage, wie eine feministische Position aussehen kann, die das Recht auf Abtreibung verteidigt, sich aber gegen pränatale Diagnostik (PND) und selektive Abbrüche ausspricht? und vom Arbeitskreis mit_ohne Behinderung (ak MoB) zur vermeintlichen Behindertenfreundlichkeit der „Lebensschützer“.

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18.3.: Proteste gegen „1000 Kreuze Marsch“ in Münster

Im März 2017 werden wieder fundamentalistische Christ*innen mit weißen Holzkreuzen durch Münster marschieren. Dagegen gibt es wieder Protest, los geht es um 12 mit einer Kundgebung. Alle Neuigkeiten findet ihr hier.

Eine Veranstaltungstour ist angekündigt, auch einen Aufruf gibt es schon:

Klar ist in jedem Fall: Die erreichten Erfolge und Teilerfoge emanzipatorischer und feministischer Kämpfe sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen auch in Zukunft verteidigt und als Anknüpfungspunkt für weitere Veränderungen genutzt werden. Es ist Zeit, sich gemeinsam zu organisieren, zu vernetzen und emanzipatorische Forderungen auf die Straße zu tragen!

in diesem wendet sich das Bündnis auch gegen Pränataldiagnostik und die Vereinnahmung der Kritik an diesen Praktiken durch die selbsternannten Lebensschützer:

Anknüpfungspunkt für die fundamentalistischen Christ*innen ist der Umstand, dass mit Hilfe von selektiver Pränataldiagnostik immer häufiger nach sog. von der Norm abweichende Föten, gesucht wird. Diese Untersuchungen setzten schwangere Personen unter Druck, nur vermeintlich „gesunde“ Föten auszutragen. Tatsächlich ist die Kritik an vorgeburtlichen Untersuchungen angebracht, die ausschließlich der Selektion von Embryonen mit möglicher „Behinderung“ dienen. Es ist falsch, Frauen*rechte und Rechte von Menschen mit „Behinderungen“ gegeneinander auszuspielen.

19.11.16, Kassel: Demo gegen das Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen

19.11.16 * 13:00 Uhr * Lyceumsplatz/Wolfsschlucht * Kassel

Hier der Aufruf:

Am 19.11.2016 veranstaltet das Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen (TCLG), ein Netzwerk christlich-fundamentalistischer Initiativen, Beratungsstellen und Gruppen, das „Lebensrecht-Forum“. Diese Veranstaltung findet zwei mal jährlich im Friedenshof in Kassel statt und dient deren Vernetzung und Weiterbildung.

Die vermeintlichen LebensschützerInnen vertreten ein extrem reaktionäres Weltbild: Sie propagieren die heterosexuelle Kleinfamilie, in der Frauen* die ¨natürliche¨ und ¨gottgegebene¨ Aufgabe haben, Mutter zu sein. Sie werden als lebensschenkendes Objekt stilisiert und damit auf eine Gebärfunktion reduziert. Schwangeren Menschen* wird das Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen, indem Abtreibung als Mord dargestellt wird. Zusätzlich zu diesen sexistischen, homo- und trans*feindlichen Positionen wird immer wieder ein völkisches und nationalistisches Selbstverständnis vertreten.


Dies steht im Kontext einer verstärkten Mobilisierung auf Seiten christlich-fundamentalistischer, reaktionärer und nationalistischer Gruppierungen. Die Positionen vermeintlicher „Lebensschutz“gruppen werden zum Beispiel in den aktuellen Protesten gegen den hessischen Lehrplan oder im Wahlprogramm der AfD sichtbar. Auch hier wird ein reaktionäres Familienbild propagiert und gegen LGBT*IQ-Personen und emanzipatorische Sexualpädagogik gewettert.

Wir werden am 19.11.2016 in Kassel auf die Straße gehen um gegen die AbtreibungsgegnerInnen zu protestieren. Denn was wir mit unseren Körpern tun oder lassen, ist alleine unsere Entscheidung. My body – my choice!

Wir fordern:
– die Anerkennung nicht-heterosexueller Lebensweisen
– sexuelle Selbstbestimmung aller Geschlechter und eine emanzipatorische Sexualpädagogik
– Straffreiheit bei Abtreibung/ Abschaffung des §218 StGB (Schwangerschaftsabbruch)
– kostenlosen und rezeptfreien Zugang zu Verhütungsmitteln und der „Pille danach“

Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!
Wir klatschen Applaus, Deutschland stirbt aus!

Kommentar: Polen, Abtreibung und Pränataldiagnostik

Da über die massive Thematisierung von pränataler Diagnostik und selektiven Abbrüchen in der polnischen Debatte um die Verschärfung des Abtreibungsgesetzes hierzulande relativ wenig geredet wird, verlinken wir einen Kommentar von Kirsten Achtelik in der taz:

Die Petition hatte diesen Erfolg nicht nur aus frauenfeindlichen Motiven: Sie enthielt die Forderung nach besserer Unterstützung von Frauen und Familien, die ein behindertes Kind großziehen und einer Einschränkung der pränatalen Diagnostik. Zur Mobilisierung wurde beispielsweise ein Video von einem Kind mit einer Behinderung benutzt, das nach seiner Abtreibung noch lebte. Unter dem Motto „Czarny Protest“ (Schwarzer Protest) mobilisieren Frauenrechtsgruppen und linke Parteien gegen das Gesetzesvorhaben. Ihr Ziel ist der Erhalt des jetzigen Gesetzes sowie die Möglichkeit, ohne Angabe von Gründen bis zur zwölften Woche abtreiben zu können. Über 200.000 Menschen haben die Petition unterschrieben, die vom Parlament jedoch abgelehnt wurde. Doch die Bewegung sollte nicht den Fehler machen, die Themen Behinderung, pränatale Diagnostik und selektive Schwangerschaftsabbrüche deshalb den Konservativen zu überlassen.

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Nachklapp: apabiz zum „Marsch für das Leben“ 2016

Das apabiz hat seine sehr lesenswerte Analys zum diesjährigen „Marsch für das Leben“ in Berlin veröffentlicht: Christlicher Demotourismus nach Sodom und Gomorra

»’Berlin, Hauptstadt des Tötens‘ ist kein Ehrentitel!« echauffierte sich Martin Lohmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Lebensrecht, bei seiner Rede am 17. September 2016 auf dem Marsch für das Leben in Berlin.

Im Vorfeld des Marsches der AbtreibungsgegnerInnen hatte der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sich ebenso wie viele andere Politiker*innen und die Evangelische Landeskirche von dem Marsch distanziert. Einige unterstützten explizit die Gegenproteste. Lohmanns Antwort war ein ungewohnt scharfer Angriff auf die Landespolitik: »Wer dieses Recht auf Leben nicht will, der ist totalitär. Demokraten werden das nicht wollen. Mir ist unverständlich, wie ein regierender Bürgermeister etwas Antidemokratisches unterstützen kann. […] Ein Berlin, das diese Botschaft nicht erträgt ist keine weltoffene Stadt.« So werden durch den BVL-Vorsitzenden einfach all jene als undemokratisch oder totalitär gekennzeichnet, die nicht mit der fundamentalchristlichen Definition von »Leben« übereinstimmen.

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„Eine Gefahr für das Leben Schwangerer“

taz: Frau Flamingo, am Montag ist die Website Ihrer Initiative, http://www.fuer-das-leben.de, ins Netz gegangen. Sie sieht der Website der sogenannten LebensschützerInnen, die den jährlichen „Marsch für das Leben“ organisieren, auf den ersten Blick sehr ähnlich. Ist das Absicht?

Beatrice Flamingo*: Wir orientieren uns an Methoden einer Kommunikationsguerilla. Deswegen greift unsere Seite die Bildsprache und Symbolik von Websites christlich-fundamentalistischer Gruppen auf.

Was wollen Sie mit ihrer Website erreichen?

Wir hoffen, dass die jeweiligen Websites verwechselt werden.Gleichzeitig wollen wir über die Suche bestimmter Begriffe gefunden werden. Wer zum Beispiel Abtreibung, Pränataldia­gnos­tik oder Sterbehilfe googelt, soll möglichst schnell auf unserer Seite landen. Wir hören zum Beispiel von BeraterInnen aus Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen, dass Frauen, die wenig über die sogenannte Lebensschutzbewegung wissen, oft ungewollt auf deren Seiten landen. Diese Leute wollen wir mit unseren Argumenten erreichen.

Indem Sie diese Leute, die Informationen suchen, erst mal in die Irre führen?

Wir sehen es eher andersherum. Die LebensschützerInnen verschleiern, worum es ihnen tatsächlich geht: Sie wollen vielfältiges Leben nicht zulassen, sondern diskriminieren. Wir nehmen unsere LeserInnen aber sehr ernst: Wir möchten ihnen bei ihrer Suche nach Information alternative Möglichkeiten zu denen der LebensschützerInnen aufzeigen. Wir wollen eine kritische inhaltliche Aus­einandersetzung mit deren ­Themen, Thesen und Argumenten.

Wen genau soll Ihre Seite erreichen?

Hauptsächlich wollen wir junge Menschen mit christlich-humanistischem Weltbild ansprechen, die sich mit diesen Themen noch nicht so stark aus­einandergesetzt haben. Studien zufolge gibt es unter Jugendlichen einen Backlash zu konservativen und vermeintlich humanistischen Positionen, die bei bestimmten Themen anschlussfähig an die Lebensschutzbewegung sind – zum Beispiel die, gegen Schwangerschaftsabbruch zu sein. Außerdem geht es uns um Menschen, die gegen die Bewegung der sogenannten Lebensschützer argumentieren wollen oder innerhalb der Proteste dagegen aktiv sind: FeministInnen, BeraterInnen oder PädagogInnen, denen wir Argumentationshilfen bieten.

Was kann man auf Ihrer Website finden?

Wir haben neun Themen zusammengestellt, die wir als zentral für die Lebensschutzbewegung ausgemacht haben, darunter Schwangerschaftsabbruch, Geschlechterrollen, Pränataldia­gnostik, Sexualität und Sterbehilfe. Wir beschreiben die Posi­tio­nen der LebensschützerInnen, zeigen, wie gefährlich deren Weltbild ist, und stellen ihnen Argumente entgegen, um einen Gegenpol zu schaffen. Und wir bieten Hintergründe zur Lebensschutzbewegung und deren AkteurInnen.

Was kritisieren Sie konkret?

Die LebensschützerInnen begründen ihre Positionen aus der Logik einer göttlichen Schöpfung heraus: Menschen hätten bestimmte Entscheidungen nicht zu treffen, weil es ihnen nicht zustünde. Es sind AbtreibungsgegnerInnen, die bewusst das Leben von Schwangeren aufs Spiel setzen.

Wie argumentieren die „Lebensschützer“?

Sterbehilfe wird mit Euthanasie gleichgesetzt, wodurch der Nationalsozialismus verharmlost wird. Das Familienbild gibt Regenbogenfamilien keinen Platz, homosexuelles und queeres Begehren darf nicht sein. Auch Behinderte werden für die Zwecke der LebensschützerInnen in­stru­men­ta­li­siert: Die Lebensbedingungen nach der Geburt interessieren sie überhaupt nicht. Sie tun so, als schützten sie Leben, meinen aber nur wenige, extrem konservative Lebensformen.

*Beatrice Flamingo

33, ist Teil einer queerfeministischen Gruppe aus Berlin. Sie will anonym bleiben, um möglichen Übergriffen auf ihre Person vorzubeugen. Die Gegenwebsite zu „marsch-fuer-das-leben.de“, „fuer-das-leben.de“, wurde aus privaten Spenden finanziert.

aus der taz

Veröffentlicht unter Allgemein

Termine vor dem „Marsch für das Leben“ in Berlin

5.9.16 – Berlin – Möbel Olfe – ab 20 Uhr
Solidarität vom Fass für eine Website gegen “Lebensschützer”
https://www.facebook.com/events/233437213720248/

6.9.16 – Berlin – k-fetisch – 20 Uhr
Von Polizeikontrollen, “Hurenpässen” und Zwangsberatung – Zur Kritik am “Prostituiertenschutzgesetz”
Staatlicher Eingriff in körperliche Selbstbestimmung von Menschen findet sich nicht nur in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche und den §218 StGB, sondern betrifft auch Sexarbeiter_innen. Wir wollen gemeinsam mit Jenny Künkel (Universität Weimar) und Dr. PG Macioti (Hydra e.V.) diskutieren, was sich ab 2017 gesetzlich ändert, was dies für die Lebensrealität von Sexarbeiter_innen bedeutet und warum staatlicher “Schutz” nicht feministisch ist.
Eine Veranstaltung der EAG Berlin

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