Konferenz-Doku

Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik hat auf seiner Jahrestagung „Nur Mut! Unbequeme Standpunkte zur Pränataldiagnostik“ auch über „Lebensschützer“ und den Umgang damit diskutiert. Hier findet sich die Dokumentation, in der das Referat von Michael Zander, die anschließende Diskussion und alle Workshops nachzulesen sind.

Trotzdem ist die Vorstellung, es gebe Ge-
meinsamkeiten mit den „Lebensschützern“,
problematisch. Bei der Einschätzung dieser
Frage kommt es nicht nur auf das jeweilige
Argument an, sondern auf den politischen
Kontext, in dem das Argument mit anderen
Aussagen verknüpft wird. Mein Vortrag soll
klären, wer die „Lebensschützer“ sind, wie
sie argumentieren und wie sich ihre Stand-
punkte zu denen der Behindertenbewegung
und des Feminismus verhalten.
Spannend!

Proteste in Münster

Bereits im März gab es in Münster eine feministische Demonstration gegen den dortigen Marsch für das Leben. Die Polizei ging dabei brutal gegen Konfetti-Werfer_innen vor: Hier ist ein ausführlicher Bericht. Die Berliner Gruppe nofundi[m]ärsche hattee einen Redebeitrag vorbereitet., den wir hir dokumentieren und den es auch als Jingle gibt. Dieser kann gerne auch bei anderen Gelegenheiten verwendet werden.

Redebeitrag

Wir sind die Gruppe nofundi[m]ärsche aus Berlin. Wir sind für ein uneingeschränktes Recht auf Abtreibung. Wir wollen heute aber auch was zu Selektion durch Pränataldiagnostik sagen und diese kritisieren. Denn dieser Aspekt kommt unserer Meinung nach oft in der Kritik an den Fundis, aber auch in den Forderungen für sexuelle Selbstbestimmung, zu kurz. Unserer Meinung nach ist das eine behindertenfeindliche Technologie. Weiterlesen

Petition: Nein zum PraenaTest!

Der Praena-Test der Firma LifeCodexx, mit dem eine Trisomie 21des Fötus diagnostiziert werden kann, ist seit August 2012 auf dem deutschen Markt. Anders als bei invasiven Techniken wird hierbei das Blut der Schwangeren untersucht. Dieses enthält genug DNA des Fötus, um Gen-Trisomien festzustellen. Techniken dieser Art werden unter der neuen Abkürzung „nichtinvasiver pränataler Test“ (NIPT) zusammengefasst. Seit Anfang 2013 kann mit dem Test auch auf die Trisomien 13 und 18 sowie die auf Geschlechterchromosomen bezogenen Abweichungen Klinefelter- und Turner-Syndrom getestet werden. Noch muss der Test privat bezahlt werden, eine Übernahme in die reguläre Schwangerenversorgung wird jedoch gerade geprüft.

Die vorgeburtliche Fahndung nach Abweichungen wertet Menschen mit Behinderungen ab, weil Beeinträchtigungen in der Praxis der Schwangerenvorsorge als „Risiken“ und damit als zu vermeidendes Unglück erscheinen. Insbesondere nicht-invasive Testverfahren wie der PraenaTest haben das Potential, sich zu pränatalen Reihenuntersuchungen zu entwickeln und damit die Vermeidung der Geburt von Menschen mit Beeinträchtigungen ins Zentrum der Schwangerenversorgung zu stellen. Die Bluttests gehören deshalb nicht in die Regelversorgung, auch nicht zu „Studienzwecken“!

Hier kann man die Petition unterschreiben!

Neues Blog gegen Pränataldiagnostik und den Bluttest

Das Blog pnd-bluttest.de will Raum bieten für „kritische Sichtweisen auf die Praxis der Pränataldiagnostik“, Informationen anbieten und Ideen sammeln,
wie „wir uns bundesweit besser vernetzen können, welche Möglichkeiten der Einflussnahme auf politischer Ebene es gibt, welche Forderungen sich aus unseren Diskussionen ergeben und wie wir diese umsetzen könnten“.

Tagungsbericht: Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik

Für die aktuelle Jungle World hat Kirsten Achtelik einen Bericht über die spannende Tagung des „Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik“ geschrieben:

Gegen das Diktat der Gene

Die Pränataldiagnostik ist ein Thema von großer gesellschaftlicher Tragweite, über das jedoch sehr wenig bekannt ist. In Berlin fand vergangene Woche eine Tagung dazu statt.

von Kirsten Achtelik

Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränatal­diagnostik hat auf seiner Jahrestagung, die unter dem Motto »Keine Angst vor großen Fragen: Vorgeburtliche Diagnostik zwischen Ethik und Monetik« stand und am vergangenen Wochen­ende in Berlin stattfand, über die neuen Entwicklungen bei Pränataldiagnostik (PND) sowie Präimplantationsdiagnostik (PID) und die damit verbundenen Probleme diskutiert.

Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik wurde Mitte der neunziger Jahre gegründet. Sein Ziel ist es, »eine öffentliche Gegenstimme zur rasanten Entwicklung der Medizintechniken zu sein«. Die beteiligten Gruppen und Einzelpersonen eint eine kritische Haltung gegenüber PND und PID samt deren selektiver Funktion. Nicht die einzelne Frau wird kritisiert, sondern eine Gesellschaft, die Behinderung mit Leid und Belastung gleichsetzt, eine medizinische Praxis, der eine Vermeidungslogik zugrunde liegt, und die mediale Debatte, der es weder gelingt, die rechtlichen Grundlagen wahrheitsgetreu darzustellen, noch ein nicht defizitorientiertes Bild von Behinderung zu zeichnen.

Entsprechend breitgefächert war das Tagungsprogramm. 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland und Österreich, darunter viele, die im Bereich der Schwangerschaftsberatung arbeiten, debattierten über die mediale Berichterstattung, ethische Ambivalenzen und den Wandel in der Arzt-Patienten-Beziehung, über die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, mögliche Forderungen und über weitreichende Fragen.

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