Berlin: Veranstaltung von und Soli für Ciocia Basia

Vor vier Jahren wurde das Wort „Gender“ in Polen ausschließlich in akademischen Kontexten diskutiert. Ein Jahr später wählten es Wissenschaftler_innen der Universität Warschau sowie der Polnische Sprachrat zum „Wort des Jahres 2013“. Grund für die rapide Karriere des Wortes ist die katholische Kirche, welche diesen Begriff strategisch im Zusammenhang mit Abtreibung, Pornografie und Pädophilie nutzt. „Gender“, oft gefolgt von „Ideologie“, wurde zum Symbol der sozialen Angst und Moral-Panik in Polen.
Die Referentin Anna Jagielska wird ausgewählte rhetorische Strategien präsentieren, die die katholische Kirche verwendet, um an den Diskussionen zu den Themen Geschlechtergleichheit, Verhütung, Abtreibung, In-vitro-Fertilisation sowie Sexualaufklärung teilzunehmen. Um die Spezifität der polnischen Genderdiskussionen besser zu erklären, wird sie auch den historischen Kontext darstellen und die Rolle der katholischen Kirche in der Beendigung des Kommunismus in Polen sowie die Charismatisierung des Papstes Johannes Paul II erläutern.
Es wird Solicocktails und KüFa geben. Alle Spenden unterstützen Ciocia Basia, eine aktivistische Gruppe, die Frauen aus Ländern wie Polen, wo Abtreibung illegal ist, bei der Abtreibung in Berlin unterstützt.

Referentin: Anna Jagielska ist eine Doktorandin an der Europa-Universität Viadrina (EUV). Sie schreibt eine Doktorarbeit „Diskursive Konstituierung der Weiblichkeit in vatikanischen Verlautbarungen (1930-2015)“.

Veranstaltung in englischer Sprache, auf Spendenbasis. Facebook-Event

Montag, 21. März um 20:00, New Yorck (Bethanien), Mariannenplatz 2a

Veranstaltungsort ist nicht barrierearm.

USA: Das Hyde Amendment

Ein super-informativer Abriss über das Hyde Amendment, das in den USA seit Jahrzehnten dafür sorgt, dass Abtreibunen nicht aus öffentlichen Kassen bezahlt werden dürfen und warum auch Obama daran wenig geändert hat. Auf Englisch.

It took only a few years for the exuberance over the Roe v. Wade decision to subside into the realization that, even with a constitutionally protected right to abortion, women’s access could still be threatened by other avenues—especially if they lacked the resources to afford an abortion. The Catholic hierarchy and its antiabortion allies tried in the years immediately after Roe to get Congress to pass a constitutional amendment to ban abortion, but they failed to win popular support for the measure—even from Catholics. In 1976, Robert Lynch, head of the National Committee for a Human Life Amendment (NCHLA), the Catholic bishops’ antiabortion lobby, admitted that the “overwhelming majority of Catholics” were apathetic about recriminalizing abortion.

Heiligsprechung: „Muter Teresa“

Die als „Mutter Teresa“ bekannte radikale Abtreibungsgegnerin soll am 4. September heilig gesprochen werden, wie die taz meldet.

Die katholische Ordensfrau und Friedensnobelpreisträgerin war 2003 vom damaligen Papst Johannes Paul II. bei einer Zeremonie in Rom vor 300.000 Gläubigen bereits seliggesprochen worden. Im Dezember hatte der Vatikan ein zweites der Ordensfrau zugeschriebenes Wunder anerkannt. Damit waren die Voraussetzungen für eine Heiligsprechung erfüllt.

Wir zitieren hier nochmal gerne ein besonderes Zeichen ihrer Fömmigkeit:

When confronted about these allegations, according to Christopher Hitchens, Mother Teresa said, “There is something beautiful in seeing the poor accept their lot, to suffer it like Christ’s Passion. The world gains much from their suffering.”

 

„Radikalisierung im Bürgertum“: AfD, „Lebensschutz“ und Co.

Ein super Überblicks-Artikel über AfD, Pegida, die Rechtsbewegung der bürgerlichen Mitte und religiöse Strömungen:

„Die Radikalisierung im Bürgertum macht offenkundig vor den Christen nicht halt. Konservative Katholiken und Evangelikale erweisen sich sogar als besonders anfällig. In diesen Milieus ist es in den letzten Jahren zu einer Spaltung in einen moderaten und einen sich ideologisch verhärtenden Teil gekommen. Die Spaltung der AfD, die Pegida-Bewegung, der Streit über die „Homo-Ehe“ und die Flüchtlinge haben diesen Prozess beschleunigt. Von Anfang an zeigten Christen, die sich „konservativ“ geben, aber längst rechtspopulistisch sind, Sympathien für Pegida….

Diejenigen, die noch Mitglied der CDU sind, nutzen die AfD überdies als Drohkulisse, um ihre Ziele zu erreichen. So behauptete die von Mechthild Löhr angeführte Gruppierung „Christdemokraten für das Leben“, die CDU bevorzuge Schwule und Lesben gegenüber den Lebensschützern. Sie beschwerte sich bei Generalsekretär Peter Tauber darüber, dass die „Christdemokraten für das Leben“ nicht in den drei Zukunftskommissionen der Partei vertreten seien. Drohend fügte Löhr hinzu: „Einige von uns sind auch schon zur AfD gegangen.“

Martina Kempf, Mitglied des Bundesvorstands der Vereinigung „Christen in der AfD“, bekannte Anfang Dezember in einem Leserbrief an die katholische „Tagespost“ freimütig, die „Christdemokraten für das Leben“ in Baden-Württemberg und „AfD-Christen“ hätten „in enger Zusammenarbeit“ durch eine Demonstration die „Schließung der landesgrößten Abtreibungsklinik erreicht“. Kempf zählt zu den Mitgründern des AfD-nahen christlichen „Pforzheimer Kreises“, der im Dezember 2014 forderte, dass „Christen aller Konfessionen bei Pegida mitmachen“ müssten.“ mehr

WtF- Interview

In der neuen Strassen aus Zucker wird das Berliner linksradikale und queerfeministische What the Fuck!-Bündnis zu dem „Marsch für das Leben“ und ihrer Einschätzung der „Lebensschützer“ interviewt. Das Heft ist als PDF auf der Webseite, das Interview ist auf Seite 17.

Es gibt heute aber nicht mehr Menschen, die gegen Schwangerschaftsabbrüche sind. Aufgrund eines reaktionären Backlashs innerhalb Europas und dem Anstieg von Rechtspopulismus funktioniert nur die Mobilisierung viel besser, weil nicht mehr nur die klassischen Gehsteigberatungsfundis mit Leib und Seele gegen Schwangerschaftsabbrüche kämpfen.
Wie sieht eure konkrete Bündnisarbeit aus?
Wir mobilisieren bundesweit für die Gegenveranstaltung zum „Marsch für das Leben“, vor allem bei feministischen Gruppen in anderen Städten, bei Studierendenvertretungen und linken Gruppen. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Vernetzung dieser Gruppen untereinander. Dieses Jahr haben wir den Marsch durch Blockaden gehindert, nächstes Jahr wollen wir ihn ganz verhindern!

Religions-Dossier

In der aktuellen schweizerischen WOZ gibt es ein Dossier mit einer Reihe hochinteressanter Artikel zu Religion, Evangelkalen und Fundamentalismen:

Der Züricher „Marsch fürs Läbe“ hat seine Erscheinungsform von Kindersärgen und weissen Kreuzen zu Luftballons und Feieratmosphäre geändert, dabei allerdings seinen reaktionären Inhalt beibehalten.

Christliches Engagement in der sozialen Arbeit hat eine lange Tradition. Es ist aber keineswegs unproblematisch, wie dieser Artikel über evangelikale Wekstätten und Wohnheime für psychisch beeinträchtigte Menschen zeigt.

Ein Bericht über eine junge Frau, die es geschafft hat, aus freikichlich-fundamentalistischen Zusammenhängen auszusteigen.

Marxismus und Kapitalismus haben mehr mit Religion zu tun, als manchen Linken lieb ist. In diesem Artikel wird auch der Unterschied zwischen „Die Religion ist das Opium für das Volk“ (Lenin) und „Religion ist das Opium des Volkes“ erklärt.

Auferstehungserzählungen in der Fantasy-Literatur (Narnia, Harry Potter etc.) werden analysiert.

 

Österreich: Proteste gegen „Lebenschützer“

Gegen klerikale und faschistische Frauenhetze – Protest in Innsbruck! (Leserinnenzuschrift – Dokumentation)

„Am 14.November wurde in Innsbruck eine Kundgebung, genauer „Lichterkette für die Ungeborenen“ von Jugend für das Leben abgehalten. Die fundamentalistischen und faschistischen Gegner von Frauenrechten und dem Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper der Frau gedachten all der „ermordeten Kinder“. Dies blieb aber nicht unbeantwortet: rund 35 Menschen zeigten lautstark ihren Protest gegen die erzkatholische Hetze gegen Frauen. Mit Transparenten und Sprüchen wie „Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine“, oder „Die Fristenlösung ist Geldmacherei, Abtreibung legal und kostenfrei“, wurde die antifeministische Kundgebung aufgerührt. Natürlich lies die Reaktion der Polizei nicht lange auf sich warten. Zu Beginn wirkten die Bullen eher zurückhaltend und unentschlossen, nach der Ankunft von Verstärkung, drängten sie uns zurück, wobei 2 Personen auf den Boden fielen. 6 Polizisten stürzen sich auf sie, legten ihnen brutal Handschellen an und zerrten sie zum Polizeibus: Festnahme und Anzeige! Bei 2 weiteren wurden Personenkontrollen durchgeführt. So wird der gerechtfertigte Protest für Frauenrechte und Abtreibung beantwortet: Fundis wollen ungestört sein und die Polizei führt aus, egal wie unverhältnismäßig ihre Aktion ist! Wir wissen, dass die Polizei nicht auf unserer Seite steht, deswegen müssen wir uns „warm anziehen“ und den Protest weiterführen. Für das Recht auf Selbstbestimmung – wehren wir uns! Schwangerschaftsabbruch muss legal, kostenfrei und zugänglich gemacht werden, gegen die Kriminalisierung der Frauen durch §96!“