Salzburg: Demo gegen AbtreibungsgegnerInnen

Unter dem Motto „Pro Choice is ois!“ gibt es am 24. Juli in Salzburg eine Demonstration (13:00 Uhr Hauptbahnhof) für reproduktive Freiheit und den freien Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen und gegen den später stattfindenden „Marsch für das Leben“ der AbtreibungsgegnerInnen (deren Kreuzausgabe beginnet voraussichtlich 16:15 Uhr am Mozartplatz).

Hier findet ihr den Aufruf.

In diesem gibt es eine Passage zu Behinderung, wo den „Lebenschützern“ eine Instrumentalisierung des Themas vorgeworfen wird, um „Befürworter_innen eines freien Zugangs zu Schwangerschaftsabbrüchen vorwerfen zu können, sie würden pauschal eugenische Positionen vertreten“. Das stimmt zum Teil, allerdings ist angesichts der Vehemenz, mit der radikale AbtreibungsgegnerInnen Abtreibungen nach pränataler Diagnostik thematisieren, der Vorwurf der Eugenik gegen Feminist*innen eher relativ selten.

So auf diese Strategie der „Lebensschützer“ zu reagieren, ist allerdings hauptsächlich Abwehr. Der Kritik an pränataler Diagnostik und selektiven Abtreibungen, die ja nicht nur von den „Lebenssschützern“ sondern eben auch von Feminist*innen mit und ohne Behinderung formuliert wurde und wird, stellt man sich damit nicht. Anders gesagt: Wenn die politischen GegnerInnen das Thema nur instrumentalisieren enthebt einen das nicht der notwendigkeit einer eigenen Analyse.

 

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Österreich: Proteste gegen „Lebenschützer“

Gegen klerikale und faschistische Frauenhetze – Protest in Innsbruck! (Leserinnenzuschrift – Dokumentation)

„Am 14.November wurde in Innsbruck eine Kundgebung, genauer „Lichterkette für die Ungeborenen“ von Jugend für das Leben abgehalten. Die fundamentalistischen und faschistischen Gegner von Frauenrechten und dem Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper der Frau gedachten all der „ermordeten Kinder“. Dies blieb aber nicht unbeantwortet: rund 35 Menschen zeigten lautstark ihren Protest gegen die erzkatholische Hetze gegen Frauen. Mit Transparenten und Sprüchen wie „Ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine“, oder „Die Fristenlösung ist Geldmacherei, Abtreibung legal und kostenfrei“, wurde die antifeministische Kundgebung aufgerührt. Natürlich lies die Reaktion der Polizei nicht lange auf sich warten. Zu Beginn wirkten die Bullen eher zurückhaltend und unentschlossen, nach der Ankunft von Verstärkung, drängten sie uns zurück, wobei 2 Personen auf den Boden fielen. 6 Polizisten stürzen sich auf sie, legten ihnen brutal Handschellen an und zerrten sie zum Polizeibus: Festnahme und Anzeige! Bei 2 weiteren wurden Personenkontrollen durchgeführt. So wird der gerechtfertigte Protest für Frauenrechte und Abtreibung beantwortet: Fundis wollen ungestört sein und die Polizei führt aus, egal wie unverhältnismäßig ihre Aktion ist! Wir wissen, dass die Polizei nicht auf unserer Seite steht, deswegen müssen wir uns „warm anziehen“ und den Protest weiterführen. Für das Recht auf Selbstbestimmung – wehren wir uns! Schwangerschaftsabbruch muss legal, kostenfrei und zugänglich gemacht werden, gegen die Kriminalisierung der Frauen durch §96!“

Angebliche Christen-Diskriminierung

Update unten

Die armen Opfer… Schon Anfang November berichtete das evangelische  Nachrichtenportal idea von der angeblich zunehmenden Diskriminierung von Christen in Europa.

Zitiert wird die Leiterin eines „Dokumentationsarchivs Intoleranz gegen Christen“ in Wien, Gudrun Kugler (Wien).
Hier einige Auszüge aus dem absurden Text:
„In 15 von 23 Staaten gebe es Gesetze, die die freie Religionsausübung von Christen einschränkten. So komme es in vielen Ländern vor, dass ein Gynäkologe, der die Durchführung von Abtreibungen aus Gewissensgründen ablehnt, nicht befördert oder gar nicht erst eingestellt wird. In Deutschland seien Apotheker verpflichtet, die „Pille danach“ zu verkaufen – was für viele Christen ein Gewissensproblem darstelle.“
> Hm. Wenn Gynäkolog*innen in christlichen Krankenhäusern Abtreibungen durchführen würden, würden sie wohl nicht nur nicht befördert…
Das mit der Pille danach stimmt auch definitiv nicht, sonst hätte schon jemand den Undine-Apotheker hier in Berlin verklagt.

Weiter gehts. Die Christen befüchten schlimmes von der EU-Gleichbehandlungsrichtlinie. Sie meint wohl die, die v.a. von Deutschland blockiert wird: „Wenn diese in Kraft träte, würden Menschen mit religiös begründeten Standpunkten diskriminiert: „Ein christlicher Druckunternehmer dürfte dann zum Beispiel einen Auftrag mit anstößigen Abbildungen nicht mehr ablehnen, oder ein jüdischer Hotelier einer radikal-muslimischen Organisation nicht die Nutzung seiner Räume verweigern.“ In Nordirland habe sich vor kurzem ein christlicher Konditor geweigert, eine Torte für eine „Homo-Hochzeit“ zu backen, weil sie gegen seine religiösen Überzeugungen verstoße. Das Paar habe daraufhin Klage eingereicht und vor Gericht Recht bekommen. Wenn die EU-Gleichbehandlungsrichtlinie in Kraft trete, könne es solche Fälle künftig häufiger geben.“
> Klingt total wahrscheinlich und voll schlimm…

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Österreich: Fortpflanzungsmedizingesetz reformiert

Der Anlass für die grundlegende Liberalisierung des FMedG im Februar 2015, inklusive PID und Eizellenspende: Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hatte im Dezember 2013 einer Klage von zwei lesbischen Frauen stattgegeben und es als verfassungswidrig bezeichnet, Frauen, die in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft leben, von einer künstlichen Fortpflanzung mittels Samenspende auszuschließen.

Edeltraud Voill,Sprecherin des österreichischen Netzwerks prenet, hält die Reform für ein Einfallstor für Selektion und Schwangerschaftskontrolle, wie sie in einem Artikel des aktuellen GID erklärt.

Salzburg: Zu den Protesten am vergangenen Samstag

Am 25. Juli 2015 fand in Salzburg eine Demonstration unter dem Motto „Pro Choice is ois!“ statt. Vom Bahnhof über das Platzl bis zum Alten Markt in der Salzburger Altstadt demonstrierten über 150 Teilnehmer_innen für einen freien Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen und eine emanzipatorische und befreite Gesellschaft. Die Demo wurde angeführt von einem lauten, aber kleinen Frauen*Lesben*Inter*Trans*-Block. Am Hauptbahnhof gab es nach der Begrüßung ein solidarisches Grußwort von Pro Choice Sachsen und anschließend einen Redebeitrag der SLP über die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Care- und Lohnarbeit stattfinden. Der Redebeitrag des flit*z Salzburg am Platzl thematisierte die reproduktive Freiheit von Menschen mit Behinderung, Inter*- und Trans*-Personen und forderte Selbstbestimmung für alle. Der Poetry Slam Beitrag von Tante Hons brachte die Skurrilität der religiösen FundamentalistInnen auf den Punkt. Bei der Abschlusskundgebung am Alten Markt ging es bei dem Redebeitrag des Infoladen Salzburg um Schwangerschaftsabbrüche in Österreich.

Zu den erhofften erfolgreichen Blockaden kam es auf Grund zu weniger Pro-Choice-Aktivist_innen nicht.

mehr auf dem Blog des Infoladen Salzburg und bei die.standart

Außerdem gibt es einen neuen Flti*-Infoladen in  Salzburg, dessen Aktivist*innen ebenfalls zu den Protesten afgerufen haben.

Zu den Protesten der vergangenen Jahren: 2014 und 2013 und 2012.

Salzburg: Pro-Choice-Demo am 25. Juli

Gegen den für den 25. Juli angekündigten „Gebetszug 1000 Kreuze für das Leben“ in Salzburg wird es eine feministische Demonstration und den Aufruf zu Aktionen geben. Auf der Seite des Infoladen Salzburg gibt es weitere Informationen. Die Genoss_innen haben auch eine interessante Broschüre erstellt.

Hier ist das Inhaltsverzeichnis:

WIR SOGNS GLEI, WIR WOANS!
WOGEGEN WIR KÄMPFEN
WOFÜR WIR KÄMPFEN
GEGNER_INNEN – WHO IS WHO DER FUNDIS
VERBÜNDETE, MITSTREITER_INNEN, SOLIDARITÄTEN
CHRONOLOGIE – PROTESTE IN SALZBURG SEIT 2008
QUELLEN, LINKS, LESETIPPS
GLOSSAR
ANARCHAFEMINISTISCHES GEBETSBUCH

Und hier der Aufruf

Jedes Jahr im Sommer wird die Salzburger Altstadt Bühne eines befremdlichen Spektakels. Damit sind hier nicht die Salzburger Festspiele gemeint, sondern der sogenannte „Gebetszug 1000 Kreuze für das Leben“ ultra-religiöser FundamentalistInnen. Weiße Holzkreuze tragend ziehen selbsternannte „Lebensschützer“ dabei durch die Gassen. Der Zweck ihres Auftrittes: Propaganda gegen Schwangerschaftsabbrüche, gegen reproduktive Selbstbestimmung und gegen Emanzipation ganz allgemein. Dem wollen wir entgegentreten. Wir rufen zu einer Pro-Choice-Demo und vielfältigen Gegenaktivitäten auf.
Der Marsch in Salzburg ist in Österreich das einzige Event der klerikal-faschistischen AbtreibungsgegnerInnen, welches nach dem Muster der „1000 Kreuze Märsche“ stattfindet. Organisiert werden diese von EuroProLife (Lebenszentrum München), in Salzburg gemeinsam mit Human Life International (HLI, Lebenszentrum Salzburg). Der „1000 Kreuze Marsch“ in Salzburg ist ein Treffen christlicher AntifeministInnen aus Österreich, Bayern und Südtirol.

Von Anfang an wurde Widerstand von Pro-Choice-Seite auf die Beine gestellt. Klar, dass das weder den AntifeministInnen von HLI und Co., noch den Vertreter_innen der Staatsgewalt schmeckt. Die Bullen reagierten in den letzten drei Jahren mit Festnahmen auf den (pro-)feministischen Widerstand. Sie haben es darauf angelegt, unseren Handlungsspielraum kontinuierlich einzuschränken: vor drei Jahren gab es noch zwei Festnahmen, im Jahr darauf waren es 36. Letztes Jahr wurden zehn Pro-Choice-Aktivist_innen schon wegen des bloßen Rufens von Parolen („Hätt’ Maria abgetrieben wärt ihr uns erspart geblieben“) festgenommen. Vier Festnahmen in Handschellen gab es wegen Verstoßes gegen die Straßenverkehrsordnung. Weiterlesen