Konferenz-Doku

Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik hat auf seiner Jahrestagung „Nur Mut! Unbequeme Standpunkte zur Pränataldiagnostik“ auch über „Lebensschützer“ und den Umgang damit diskutiert. Hier findet sich die Dokumentation, in der das Referat von Michael Zander, die anschließende Diskussion und alle Workshops nachzulesen sind.

Trotzdem ist die Vorstellung, es gebe Ge-
meinsamkeiten mit den „Lebensschützern“,
problematisch. Bei der Einschätzung dieser
Frage kommt es nicht nur auf das jeweilige
Argument an, sondern auf den politischen
Kontext, in dem das Argument mit anderen
Aussagen verknüpft wird. Mein Vortrag soll
klären, wer die „Lebensschützer“ sind, wie
sie argumentieren und wie sich ihre Stand-
punkte zu denen der Behindertenbewegung
und des Feminismus verhalten.
Spannend!

Kreuze-Marsch in Sachsen: Aufruf!

Am 6. Juni heißt es unter dem Motto „Emanzipation ist viel geiler“ wieder Schweigemarsch stoppen in Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Auch aus Berlin gibt es einen Bus! Den langen Aufruf findet ihr hier. Besonders interessant ist der 6. Abschnitt geworden:

Schwangerschaftsabruch und Selektion von Menschen mit Behinderungen

Ein häufig genanntes Argument von LebenschützerInnen ist, dass durch den freien Zugang zu Schwangerschaftsabrüchen in Kombination mit immer besseren Untersuchungsmöglichkeiten von Embryonen, Kinder mit Behinderungen nicht mehr zur Welt kommen würden und bezeichnen dies als Diskriminierung der Embryonen auf Grund von Behinderung.
Tatsächlich sind die Entwicklungen in der Pränataldiagnostik und der Praxis von Abtreibungen aufgrund von möglichen Behinderungen beängstigend. Zwar wurden mit der Änderung des §218 1995 Abtreibungen mit dieser Begründung verboten, doch in der Praxis ist davon nichts zu spüren. Im Gegenteil steigt der Druck auf die Eltern zusammen mit den Möglichkeiten der Erkennung von sogenannten Risikofaktoren kontinuierlich an. Dass nach einer entsprechenden Diagnose die Abtreibungsquote sehr hoch liegt, bedeutet für Menschen mit Behinderung ein Abwertung ihrer Existenz.
Es ist falsch, an dieser Stelle Frauen*rechte und Rechte von Menschen mit Behinderungen gegeneinander auszuspielen. Menschen die Kinder haben wollen, sollten diese bekommen und wenn sie eben ungewollt schwanger sind, sollten sie das Recht haben abzutreiben. Sollte sich während der Schwangerschaft herausstellen, dass das Kind mit Behinderungen zur Welt kommen könnte, gilt es zum Einen den Eltern Beratung und Unterstützung zukommen zu lassen. Zum Anderen muss es die Aufgabe unserer Gesellschaft sein, Barrieren für Menschen mit Behinderungen weiter abzubauen. Hierbei gilt es, die Kämpfe von Menschen mit Behinderungen zu unterstützen.

Filmtipp: Nur eine Handvoll Leben

Nur eine Handvoll Leben: Ein sehenswerter Film, in vielen Details gut beobachet und umgesetzt. Es geht um Patchworkfamilien, Pränataldiagnostik, Trisomie 18, Beratung und Abtreibung.

Bedauerlich ist allerdings dass die Gesetzeslage um den Schwangerschaftsabbruch (§ 218) nicht wahrheitsgemäß dargestellt werden kann: Wo war die medizinische Indikation der Schwangeren? Der ging es doch relativ gut. Die embryopathische Indikation (Legalisierung der Abtreibung auf Grund einer schweren Behinderung des Fötus) wurde 1995 abgeschafft!

Noch bis zum 23.06. in der Mediathek.

„Lebensschützerin“ Johanna Gräfin von Westphalen ist tot

Anläßlich dessen haben die Christdemokraten für das Leben, deren Gründungsmitglied die Gräfin war, eine ausführliche Erklärung abgegeben, die ihre Biografie und ihr Wirken beleuchten. Keineswegs möchten wir uns den Trauerbekundungen anschließen, finden die Erzählung aber sehr interessant, um einen Einblick in die Gedankenwelten der „Lebensschützer“ zu bekommen.

Sierra Leone legalisiert Abtreibungen

Bisher ist in Sierra Leone ein Schwangerschaftsabbruch nach einem Gesetz von 1861 nur legal möglich, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist. Nun hat das Parlament den Safe Abortion Act beschlossen, nach dem Abbrüche bis zur 12. Woche möglich sein werden, dannach wegen Inzest, Vergewaltigung, oder einem gesundheitlichen Risiko für die Frau oder den Fötus. Letzteres heißt wahrscheinlich nach pränataler Diagnose einer Behinderung. Unter 18jährige brauchen das Einverständnis eines Elternteils.

Das Gesetz muss noch von Präsident Ernest Bai Koroma unterzeichnet werden, um in Kraft treten zu können. Mehr hier.